1000 Euro Prämie für Anselm Lenz?

«Bis zu 1000 Euro Prämie für ‹Corona-Helden› in Berlin», lautet die Schlagzeile der Eilmeldung der Deutschen Presse-Agentur.

VerfassungsspaziergŠnger und Verfemter Anselm Lenz beim Verteiler der Zeitung DER WIDERSTAND im Scheunenviertel in Berlin-Mitte. Foto (c) Martin Lejeune

«Corona-Helden» in Berlin, das sind die Ärzte, Kranken- und Altenpfleger, Supermarktarbeiter, Busfahrer, Polizisten, Feuerwehrmänner, BSR-Mitarbeiter, die nach wie vor jeden Tag unsere Berliner Straßen reinigen und unseren Müll einsammeln und viele mehr, die seit Ausbruch der Pandemie täglich für uns Bürger da sind.

Für einige auf dem Rosa-Luxemburg-Platz gehört auch der Journalist und Künstler Anselm Lenz zu den Corona-Helden» in Berlin. Ein Teilnehmer der sogenannten Hygienedemos wünscht sich, daß auch Lenz in den Genuß von 1000 Euro Prämie kommen möge. Er habe sie sich redlich verdient.

Lenz‘ Verdienst war es, daß er die Menschen trotz Home-Office, Zuhause-Bleiben, Kontakt-Sperren und Abstand-Halten zusammenbrachte. Er gründete die Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand, die zunächst nur zu Versammlungen auf dem Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin und später auch zu Kundgebungen in ganz Deutschland aufrief.

Lenz gab eine Krisen-Zeitung heraus, die bereits in drei Ausgaben erschien und in der Spitze nach Lenz‘ Aussagen eine Auflage von 380.000 gedruckten Exemplaren habe. Lenz ergänzte mit seinem Periodikum zumindest für den Zeitraum einiger Wochen die Presselandschaft um eine weitere Stimme der Opposition, wenn auch nicht der einzigen Opposition, wie Lenz suggeierte.

Lenz gehörte zur Avantgarde der Grundrechtebewegung, die allen Widerständen und Gegenwind zum Trotz in Zeiten der eingeschränkten Grundrechte an der Verteidigung des Grundgesetzes festhielt und nicht müde wurde, sich für die Bürgerrechte zu versammeln und zum Teil auch den Dialog mit ihren Widersachern pflegte.

Lenz ermöglichte Kommunikation mit den Mitmenschen in einer Zeit, in der es hieß: Zuhause Bleiben! Abstand halten! Kontakte sperren! Leben retten! Lenz landete im Rahmen seines künstlerischen Engagements sogar an seinem vierzigsten Geburtstag in Zelle 216. Diese Nachrichtenseite berichtete.

Nun, wo der Shut down zu Ende ist, die Eindämmungsmaßnahmen gelockert sind und Versammlungen unter bestimmten Bedingungen wieder genehmigungsfrei durchgeführt werden können, ist der Einsatz für Grundrechte nicht mehr revolutionär, das Aufrufen zu einer Versammlung nicht mehr ein Fall für die Kriminalpolizei.

Das Ansinnen von Lenz und seinem Kollegium ist obsolet geworden, könnte man meinen. Der Hype des Demokratischen Widerstands ist vorbei. Einfach schon allein der Tatsache geschuldet, daß sich alles wieder normalisiert.

Auch wenn die KDW eine Kunstaktion bzw. Aktionskunst war, bleibt ein gewißer Nachgeschmack. Lügen ist zwar nicht verboten, auch nicht in der Kunst, aber jeder kennt das Sprichwort: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht.“

Im Fall von Lenz gibt es viele Ungereimtheiten bis hin zu unrichtigen Behauptungen, zumindest wenn man den Dementis der Gegenseite glauben schenken würde.

Daher stellt sich mittlerweile die Frage, was gemeint ist, wenn Lenz davon spricht, in Polizeigewahrsam ein Foul erlitten zu haben.

Lenz war für eine Presseanfrage nicht erreichbar.

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