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Atemlos durch das Papier

DER WIDERSTAND kritisiert die Verhältnisse der Coronaära. Eine Blattkritik des Kritikblattes.

Die Kids vom Alex, die zum ersten Mal ein Berliner Format in Händen halten und versuchen, über das Papier auf die nächste Seite zu wischen, staunen, als sie erfahren, daß eine Zeitung umgeblättert und aufgefaltet werden kann. Die analoge Erfahrung mit einem gedruckten Exemplar DES WIDERSTANDS ist so neu wie die radikale Gestaltung einer Bleiwüste in Schriftgröße 7 nur in Schwarz-weiß und ohne Fotos. Ein radikaler Bruch mit dem herkömmlichen Layout von Zeitungen, das Abbildungen und viele Farben enthält.

Der künstlerische Charakter DES WIDERSTANDS ist unübersehbar und macht das Blatt damit zum heißesten Kandidaten der Zeitung des Jahres.

Wenn der Inhalt die Form schlägt, ist das Leseerlebnis perfekt. „Danke für das Blatt! Habe es mit atemloser Begeisterung gelesen!“, lautet die Reaktion eines Lesers DES WIDERSTANDS, der es vielleicht nie gelesen hätte, wenn es, wie geplant, im Müll gelandet wäre.

Als der Wachmann der Landesgeschäftsstelle der Berliner LINKEN im Karl-Liebknecht-Haus am Rosa-Luxemburg-Platz, wo der Landesvorstand konferiert, die zwei Pakete Zeitungen sieht, die Verteiler DES WIDERSTANDS vor die verschlossene Türe der Landesgeschäftsstelle legten, sagte er: „Ich schmeiß die zwei Pakete in den Müll! Kommt ja keiner hierher, um die zu lesen“. Sind alle im Homeoffice.

Vor den Holztüren am Eingang zur Volksbühne, die in vergangenen Vor-Coronazeiten einst den Weg in das Foyer des nun verschlossenen Theaters öffneten, fliegen die Zeitungen im Wind. Niedergelegt von den Verteilern, die gestern noch allen Opfern des Coronaregimes ein Grundgesetz als Stoßlektüre reichten.

DER WIDERSTAND bringt rebellischen Geist und wohl dosiertes Pathos in die Berliner Zeitungslandschaft, die vom aussterben bedroht ist. Dieses junge bissige Widerstandsblatt ist das Gegenmodell zur Berliner Zeitung, die von einem reichen Ehepaar aufgekauft wurde in der Coronaära bisher weder auffiel mit oppositionellen Manifesten noch mit Reduzierung auf das Wesentlichste.

Von Martin Lejeune

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