Bericht aus Kassel von der Grundrechtebewegung

Interview mit der Rentnerin Heike Nehring (55), die sich in Kassel für die Grundrechte engagiert.

Frau Nehring, Sie veranstalten am kommenden Samstag in Kassel die Versammlung „Für Grundrechte und Demokratie -Immer!“. Was ist geplant und mit wie vielen Teilnehmern rechnen Sie ungefähr?

Es wird einige Wortbeiträge geben zur Situation im Gesundheitssystem, unserer Sicht auf die politischen Maßnahmen und das Verhalten der Regierungen, die wir dann hinterher auch auf der Seite www.nichtohneuns-ks veröffentlichen. Zum Abschluss werden wir gemeinsam meditieren. Wir rechnen mit ca. 200-300 TeilnehmerInnen.

Wann und wie kamen Sie auf die Idee, sich aktiv für die Grundrechte zu engagieren?

Ich hatte irgendwann angefangen, im Netz zu recherchieren. Anfangs war ich sehr skeptisch, doch ich glaube es war der offene Brief von Prof. Bakthi an die Bundeskanzlerin, der mich endgültig aufrüttelte. Ich hatte schon an verschiedene Fernsehsender (Öffentlich-rechtlich) und Tageszeitungen (von der regionalen HNA bis FR, Zeit und taz) Mails geschrieben und sie aufgefordert, ausgewogener zu berichten. Die Antworten waren kläglich bis unverschämt. Genauso die Resonanz der Parteien und Politiker in Bund und in Hessen. Ich fühlte mich von niemandem gehört und ernst genommen. Das hat mich empört und so habe ich für Ostersamstag eine Demo angemeldet. Die wurde verboten. Aber 9 Menschen wollten es wagen, trotzdem eine Aktion zu machen. Ich hatte mich inzwischen dem Demokratischen Widerstand angeschlossen. Also machten wir einen Hygiene-Spaziergang. Wir wurden, schon bevor es richtig losging, von einer Einsatzgruppe der Polizei  gestellt und obwohl wir uns an Abstandsregeln hielten, massiv bedroht. 8 Ordnungswidrigkeitsverfahren und ein Strafverfahren waren die Folge. Seit dem Samstag danach gibt es angemeldete Versammlungen, die immer größer werden.

Wie verlief bisher Ihr Kontakt mit Mitarbeitern von Behörden, mit denen Sie aufgrund der geplanten Versammlung zu tun hatten? Ich frage, weil ich wissen möchte, wie Ihre Erfahrungen mit Repräsentanten des Staates im Zusammenhang mit Ihrer geplanten Versammlung bisher verlaufen sind?

Die Kontakte verlaufen sehr unterschiedlich. Die Polizei, die ja alle Versammlungen bewacht, ist überwiegend freundlich und kooperativ. Der Mitarbeiter des Ordnungsamtes hat verschiedene Strategien, uns das Leben schwer zu machen. Es wurde behauptet, dass maximal 100 Personen erlaubt seien. Manchmal ist er verwirrt, dann wieder geht sein Computer nicht.  Als ich ihm beim letzten Mal gesagt habe, ich würde mit seiner Auflagenverfügung sofort zum Verwaltungsgericht gehen, wenn sie uns nicht gefällt, wurde er schmallippig. Und siehe da: wir haben 500 Personen angemeldet und keine Auflage bekommen, dass es weniger sein dürfen.

Ich bin auf Ihre Versammlung aufmerksam geworden durch die Internetseite https://grundrechte-fuer-alle.de/. Durch welche Kanäle und Medien rufen Sie zur Teilnahme an Ihrer Versammlung auf?

Zum Glück habe ich sehr früh eine tolle Frau kennengelernt, die uns ein eigenes Internet-Forum aufgesetzt hat. www.nichtohneuns-ks.de. Darüber vernetzen wir uns vor Ort. Auch ein wenig über die digitalen

Kanäle. Werbung machen wir keine.

Sind Ihnen Politiker, Parteien oder Organisationen bekannt, die öffentlich zur Teilnahme an Ihrer Versammlung aufrufen?

Nein, da sind mir keine bekannt.

Sind Ihnen Zeitungen, Rundfunksender oder andere redaktionell betriebene Massenmedien bekannt, die Ihre Versammlung angekündigt haben oder im Vorfeld mit Vorberichten über Ihre Versammlung berichtet haben?

Nein, aber ein Lokalreporter hat unsere 2. Versammlung besucht und uns als „Linke und Rechte, Corona-Leugner und Impfgegner“ beschrieben und in die Nähe der AfD gerückt.

Frau Nehring, haben Sie vielen Dank für das Interview.

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