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Bericht aus Oldenburg von der Grundrechtebewegung

Die Künstlerin, Geburtsbegleiterin und Mutter Friederike Pfeiffer-de Bruin (38), die sich in Oldenburg für Grundrechte engagiert, gibt im Interview Einblicke in ihre Tätigkeit und Erfahrung.

Frau Pfeiffer-de Bruin, Sie veranstalten am kommenden Samstag in Oldenburg die Versammlung „Menschenwürde Demo Oldenburg“. Was ist geplant und mit wie vielen Teilnehmern rechnen Sie ungefähr?

Wir kommen bereits seit einigen Wochen unter dem Titel „Menschenwürde Demo: Mahnwache für Menschenwürde und unsere Grundrechte“ zusammen.

Am Samstag erwarten wir einen vollen Platz. Aufgrund der Hygieneauflagen dürfen wir auf dem Oldenburger Schlossplatz 200 Plätze einzeichnen. Da Familien und  WGs enger zusammenstehen dürfen, rechne ich aber mit mehr als 200 Teilnehmern. Nächste Woche brauchen wir dann wohl einen größeren Platz.

Wir haben einen Rahmen geplant, in dem einige Elemente feststehen und auch Raum für Spontanes ist. Wir beginnen mit einer Begrüßungsansprache, dann gibt es Gespräche in Zweiergruppen, sodass alle Teilnehmenden einander erzählen können, wie es Ihnen derzeit geht. Das finden wir ganz wichtig: einen Raum für menschlichen Austausch zu bieten. Viele Menschen sind seit Wochen einsam, oder auch in ihrem Umfeld mit ihren kritischen Gedanken zur gegenwärtigen Situation allein.

 Wir singen „traditionell“ gemeinsam „die Gedanken sind frei“ und es gibt geplante Redebeiträge. Ganz wichtig ist uns auch das offene Mikrofon. Es ist sehr berührend und beeindruckend, voneinander zu hören. Viele Menschen stehen das erste Mal öffentlich am Mikrofon, weil sie jetzt etwas wichtiges zu sagen haben.

Dann laden wir zu einer „Ignorance Meditation“ ein, nach dem Vorbild eines Berliner Künstlers. Hierbei schlagen wir vor die Stille zu nutzen, um von einer guten, freien, lebensfreundlichen Zukunft zu träumen. Ich glaube ganz stark an die Kraft der inneren Bilder. Zum Ausklang der Versammlung gibt es Musik, die wir passend zum Anlass auswählen.

Wann und wie kamen Sie auf die Idee, sich aktiv für die Grundrechte zu engagieren?

Mitte März fing ich an, auf eigene Faust zu recherchieren. Ich wurde stutzig, weil ich nirgends Hinweise las, wie Menschen – und gerade Risikogruppen – ihre Abwehrkräfte stärken können. Das ist nach meinem Verständnis der erste Schritt um dazu beizutragen, milder zu erkranken und somit das Gesundheitssystem zu entlasten. Das war ja zu Beginn des Lockdown das Narrativ: Flatten the Curve. Mir wurde zeitgleich die Arte-Doku „Profiteure der Angst“ empfohlen und ich entdeckte, dass es sehr wohl kritische wissenschaftliche Stimmen gibt, die in den Leitmedien nicht zu Wort kommen. Nachdem ich für diese Themen sensibilisiert war, habe ich die Maßnahmen in einem ganz anderen Licht gesehen – und war alarmiert. Meine Recherchen habe ich in einem offenen Brief an Politik und Presse zusammengefasst und am 1.April auf der Webseite www.grundrechteschuetzen.de veröffentlicht.

Ich entdeckte den Demokratischen Widerstand in Berlin und ließ mich zu „Hygienespaziergängen mit dem Grundgesetz“ inspirieren. Über die Vernetzungswebseite www.nichtohneuns.de/regional habe ich Anfang April zwei Gleichgesinnte in Oldenburg gefunden und seitdem verteile ich jeden Samstag Grundgesetze. Das ist eine symbolische Handlung – den Menschen aufzuzeigen, welcher Rechte wir gerade massiv beraubt werden. Inzwischen habe ich übrigens 700 Grundgesetze bei der Bundeszentrale für Politische Bildung bestellt und den größten Teil verteilt.

Das Buch ist wirklich hochinteressant – ich hatte es vorher noch nie gelesen. Im Vorwort geht Frank Walter Steinmeier auf die Menschenwürde als wichtigstem zu schützendem Gut ein. Mit gutem Grund steht die Unantastbarkeit der Menschenwürde im ersten Artikel und damit über allen weiteren Gesetzen.

Wie verlief bisher Ihr Kontakt mit Mitarbeitern von Behörden, mit denen Sie aufgrund der geplanten Versammlung zu tun hatten? Ich frage, weil ich wissen möchte, wie Ihre Erfahrungen mit Repräsentanten des Staates im Zusammenhang mit Ihrer geplanten Versammlung bisher verlaufen sind?

Durchweg sehr positiv! Als wir uns noch nicht versammeln durften, war ich ja schon unterwegs und verteilte Grundgesetze. Bereits in der zweiten Woche kamen über 30 Menschen dazu – allein durch Mundpropaganda. Das wurde von den dienst-habenden Polizisten geduldet, da wir uns jederzeit an die Hygienevorgaben hielten. Die Beamten informierten uns von sich aus darüber, dass das Versammlungsverbot aufgehoben wird und baten mich, die Versammlungen anzumelden, sodass sie uns besser unterstützen können. Gerade heute war ich zum Vorgespräch mit dem Ordnungsamt und den Beamten in der Polizeidienststelle. Wir haben eine sehr konstruktive Zusammenarbeit und ich bin den Menschen sehr dankbar dafür – gerade wenn man sich auch die Bilder aus Berlin oder anderen Städten anschaut, in denen unverhältnismäßig hart gegen friedlich demonstrierende Menschen vorgegangen wird! Also: an dieser Stelle ein großer Dank an die Citywache Oldenburg!

Ich bin auf Ihre Versammlung aufmerksam geworden durch die Internetseite https://grundrechte-fuer-alle.de/. Durch welche Kanäle und Medien rufen Sie zur Teilnahme an Ihrer Versammlung auf?

Ich habe eine Webseite: www.menschenwuerde-demo.de. Zusätzlich betreibe ich eine Facebook-Seite und einen Telegram-Kanal.

Auf der Webseite www.nichtohneuns.de/regional sind wir auch noch gelistet.

Sind Ihnen Politiker, Parteien oder Organisationen bekannt, die öffentlich zur Teilnahme an Ihrer Versammlung aufrufen?

Da fällt mir gerade nur die neu gegründete Partei widerstand2020 ein. Über ein offenes Interesse und die Unterstützung unserer Regionalpolitiker würde ich mich sehr freuen. Wir haben ja ein offenes Mikrofon – es wäre sicher interessant, so in’s Gespräch zu kommen. Das wäre gelebte Demokratie und gerade jetzt ein sehr sinnvoller Schritt, finde ich.

Sind Ihnen Zeitungen, Rundfunksender oder andere redaktionell betriebene Massenmedien bekannt, die Ihre Versammlung angekündigt haben oder im Vorfeld mit Vorberichten über Ihre Versammlung berichtet haben?

Ja, wir wurden vor unserer ersten angemeldeten Versammlung bereits vom Lokalsender Oeins in einem Fernsehbeitrag vorgestellt.

Gestern hatte ich ein vorbereitendes Telefonat mit einem Redakteur der größten Regionalzeitung NWZ. Die NWZ will unsere Veranstaltung in den nächsten Tagen ankündigen und nach der Versammlung am kommenden Samstag über uns berichten. Zusätzlich werde ich immer wieder von unabhängigen Journalisten um Interviews gebeten. Dadurch haben wir bereits viele Tausend Menschen erreicht.

Frau Pfeiffer-de Bruin, haben Sie vielen Dank für das Interview.

Von Martin Lejeune

3 Antworten auf „Bericht aus Oldenburg von der Grundrechtebewegung“

Hallo Petra,
es gibt viele Wege. Zur Zeit finden beispielsweise deutschlandweit Montags um 19 h Spaziergänge statt. In Anlehnung an die Montagsspaziergänge 1989. Da könnte man sich spontan einklinken.

Eine andere Möglichkeit ist, eine Ausnahmegenehmigung für eine Versammlung zu beantragen. Derzeit ist das in den meisten Regionen problemlos möglich. Gut ist es, ein sog. Infektionsschutzkonzept parat zu haben, also die Abstände zueinander einzuhalten. Bei uns gibt es die Auflage, dass wir alle Plätze vorher einzeichnen müssen.

Ich rate Dir, dich mit Gleichgesinnten zusammen zu tun. Das macht mehr Spaß und so werden anfallende Aufgaben direkt auf mehrere Schultern verteilt.

Liebe Grüße und gutes Gelingen!

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