„Bringt eure Toten raus!“

Anselm Lenz vom Demokratischen Widerstand und Olaf Sundermeyer vom Rundfunk Berlin-Brandenburg geraten auf der Bühne vor dem Theater Die Volksbühne aneinander. Wut bricht sich Bahn. Nerven liegen blank.

Statisten sind die Polizeivollzugsbeamten aus dem Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW), die sich in Gruppenstärken und mit Mannschaftswagen auf dem Rosa-Luxemburg-Platz positioniert haben. Die Situation im Scheunenviertel bleibt angespannt. Eindrücke von einem Pressetermin.

Lenz rief Medienvertreter herbei, um die Verteilung der dritten Ausgabe der Zeitung „Der Widerstand“ zu demonstrieren. Die Stimme der verbliebenen Opposition erscheine nach Angaben von Lenz in einer Auflage von 380.000 gedruckten Exemplaren, werde in der ganzen Republik distribuiert und sei die größte Wochenzeitung Deutschlands.

Gekommen sind mehrere Journalisten und Fotografen, auch von der Auslandspresse, zum Beispiel der Korrespondent der Zeitung „El Periódico“ in Spanien. Auch Olaf Sundermeyer, Freier Mitarbeiter und Reporter von rbb24 Recherche, ist vor der Volksbühne aufgetreten.

Sundermeyer, mit kurzem Haar und mit Mundschutz, will Lenz, mit langem Haar und ohne Mundschutz, interviewen. Sundermeyer, der in seiner Hand ein Handy hält, erweckt wohl bei Lenz den Anschein, das Gespräch aufzeichnen zu wollen. Lenz will nun ebenfalls mitschneiden und regt sich auf. Er faucht Sundermeyer an: „Ich will auch aufnehmen. Wie Sie mich beleidigen! Sie Kollegenschwein! Sie Coronazi!“

Lenz sagt, Sundermeyer habe ihn als Verschwörungstheoretiker beleidigt und ist aufgebracht. Er schreit Sundermeyer an: „Ich werde von Journalisten als Kreml-Agent verleumdet, bekomme Platzverweise, die Stasi steht bei mir zu Hause vor der Tür und terrorisiert meine Familie bis meine kleine Tochter weint. Und jetzt kommen Sie und wollen mich hereinlegen. Weg mit Ihnen! Verschwinden Sie, Sie Nichtsnutz! Hau ab! Hau ab!“

Sundermeyer reagiert ruhig und gelassen. Er sagt zu Lenz: „Ich habe Ihnen meine Karte gegeben.“

Sundermeyer geht weg von Lenz, der die Vistenkarte von Sundermeyer in mehrere kleine Stückchen zerfetzt und diese in einen knallorangen Abfalleimer der BSR wirft. Dabei ruft er mehrmals sehr laut auf den Rosa-Luxemburg-Platz hinaus: „Bringt eure Toten raus! Bringt eure Toten raus!“

Zwei Passanten mit Einkaufstüten in der linken und gezückten Smartphones in der rechten Hand, kommen des Weges und fangen an zu filmen. Der eine Herr fragt: „Ist das gespielt oder echt?“ Der zweite Mann fragt: „Ist das eine Aufführung oder passiert das wirklich?“

Sundermeyer entzieht sich der Situation und geht zu seinem Auto. Das parkt in der Rosa-Luxemburg-Straße, ca. zwei Meter entfernt von einem Mannschaftswagen der Polizei NRW. Die Polizisten aus Köln, Dortmund und Essen haben heute Nachmittag ein kostenloses Spektakel geboten bekommen. Oder war es gar kein Spiel? Auf jeden Fall war es voller Emotionen. Dafür hat sich die Reise von NRW nach Berlin doch schon gelohnt. Für die Polizisten und für Sundermeyer.

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