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Deutscher Journalist beantragt Asyl in der schwedischen Botschaft

Der deutsche Journalist Anselm Lenz beantragte als in der Bundesrepublik Deutschland politisch Verfolgter Asyl in der schwedischen Botschaft. «Jag ber er att erkännas som en asylsökande som en politiskt förföljd person i Sverige», zu Deutsch: «Ich bitte Sie, als politisch verfolgte Person in Schweden als Asylbewerber anerkannt zu werden», schrieb Lenz heute an die Botschaft des Königreiches Schweden zu Berlin.

Veronica Nordlund, Sprecherin des Schwedischen Außenministeriums, sagte, sie wolle sich nicht zu dem Vorgang äußern. Man kommentiere keine individuellen Fälle.

Robert Haecks, Sprecher der Schwedischen Einwanderungsbeörde, teilte mit: «Als EU-Bürger haben Sie das Recht, ohne Aufenthaltserlaubnis in Schweden zu arbeiten, zu studieren oder zu leben.»

Die Begründung des Asylantrags lautet: «Ich werde für mein antifaschistisches Engagement für unsere deutsche Verfassung, das Grundgesetz, sowie als Mitgründer der Initiative Nicht ohne uns politisch verfolgt, mit Rechtsmitteln bedroht und wurde von meinem Betrieb, taz – die tageszeitung, wo ich bis gestern als fester Freier angestellt war, deshalb gekündigt.» Die Chefredaktion der taz antwortete nicht auf eine Presseanfrage.

Hintergrund der Kontroverse um Lenz ist das politische Ringen, wie auf Restriktionen und Repressionen aufgrund neuer Gesetze, Verordnungen und Allgemeinverfügungen infolge des Kriegs gegen das Virus zu reagieren sei. Dieser Streit führt nicht nur unter Journalisten zu Verwerfungen, sondern auch innerhalb revolutionärer Strukturen und mittlerweile sogar zwischen bürgerlichen Fraktionen.

Während die Regierungsgetreuen Gesundheit über alles! rufen, wollen Demokraten im Widerstand um jeden Preis die Freiheitsrechte wahren. Selbstredend gibt es zwischen den Lagern auch Raum für Zwischentöne, die meinen, daß das Virus schon ein Problem sei, aber Verhältnismäßigkeit bei der Beschneidung von Grundrechten zu wahren sei.

Für geteiltes Echo sorgte auch die Kundgebung «Grundrechte verteidigen – Sage NEIN zur Diktatur!», während der Lenz und seine Mitdemokraten am vergangen Samstag auf subversivste Weise und gegen die Untersagung durch die herbeigeeilten Bereitschaftspolizeitruppen eine widerrechtliche Grundgesetzverteilung durchführten. Es seien um die 250 Grundgesetz-Ausgaben der Bundeszentrale für politische Bildung illegal verteilt worden, sagte Hendrik Sodenkamp im Gespräch mit dieser Nachrichtenseite.

Während der Journalist Nicolas Riedl auf Rubikon News die Grundgesetzverteiler sachlich darstellte, rechnete die taz mit Lenz politisch ab. Erik Peter vom Berlin-Ressort, das als linksstehend gilt im Gegensatz zur realpolitisch orientierten Inland-Redaktion, stellte Lenz mit seinem Ende März auf taz Online publizierten Bericht in die Nähe der «Verschwörerszene».

Über Lenz hieß es in dem Veriss der taz, daß dieser «zuletzt auch als freier Autor der taz Berlin tätig war». Das klang schon wie eine vorauseilende Distanzierung von Lenz, der in einem Wutbrief an die taz-Redaktion wie folgt auf seine «Kündigung» reagierte: «Ich werde für mein antifaschistisches Engagement für unsere Verfassung politisch verfolgt, mit Rechtsmitteln bedroht und wurde von meinem Betrieb, taz – die tageszeitung, wo ich bis gestern als fester Freier angestellt war, deshalb gekündigt.»

Lenz beklagte, es gebe in seinem Land nur noch die Regierungspresse und kaum noch oppositionelle freie Medien. Die Demokratie sei zu Ende gegangen. «Kollegen, steht dagegen auf!», ruft Lenz den Genossen von der taz zu. Zu den Federn!

Auffallend ist, daß Lenz in Bezug auf die Belegschaft der taz, selbst über den ihn arg verunglimpfenden Redakteur Peter, weiterhin von «Kollegen» spricht, Lenz von Peter hingegen bereits gesiezt und äußerst förmlich als «Herr» (ohne Kollege) angeredet wird.

Bleibt die Frage warum Lenz gerade in Schweden als politisch Verfolgter Asyl beantragt hat? Schweden nehme nicht an der Faschisierung der Zivilgesellschaft teil, so der Journalist. Straßencafés hätten geöffnet. Oppositionelle Medien diskutierten die res publica als auch «die vermeintliche Gefährlichkeit des Virus wie der faschistoiden Maßnahmen. Niemand fällt dort tot um. Die Ansteckungsrate mit dem neuen Grippe-Erreger ist nicht einmal höher.»

Lenz, der wie sein Kompagnon Sodenkamp auch Dramaturg ist, verzichtet nicht gänzlich auf einen Hang zum Theatralischen, in dem er seinen Wutbrief an die taz-Redaktion mit einer Proklamation abschließt: «Ich rufe zum antifaschistischen Widerstand nach Art. 20 Abs. 4 GG auf! Für erreichte liberale Grundrechte! Dahinter geht es nicht zurück! — Immer, überall und JETZT.»

Während Lenz die Mitarbeiter der taz weiterhin duzt und auch den ihn arg verunglimpfenden Redakteur Erik Peter weiterhin als «Kollegen» anspricht, siezt Peter hingegen Lenz und nutzt die äußerst förmliche Anrede «Sehr geehrter Anselm Lenz» (ohne Kollege!).

«Die alte Welt ist gerade untergegangen. Wer in den letzten paar Jahren verfemt wurde, ist jetzt hiermit rehabilitiert. Das ganze ist jetzt ein Neustart. Wer sich ernsthaft auf die ersten 20 Artikel (des GG) zumindest dem Wertekosmos nach bezieht, … ist bei uns willkommen», sagte Lenz im Hauptstadtstudio vor der Kulisse des Reichtstags mit wehenden Deutschlandfahnen im Hintergrund. Eine offensichtliche Parodie auf die Kulisse des wöchentlichen Berichts aus Berlin des offiziellen ARD-Hauptstadtstudios.

Anstatt die Grundgesetzverteilung der demokratischen Avantgarde um Lenz und Sodenkamp journalistisch zu verreißen, hätte die taz dieses Moment des Ironischen auch als Steilvorlage für ihre legendäre Wahrheitsseite nehmen können, für die bereits Wiglaf Droste, der ebenfalls Schreibverbot bei der taz erhielt, regelmäßig Aperçus verfaßte.

Bei der Form, in die Lenz seinen «demokratischen Widerstand gegen Schlechteres» als das Grundgesetz gießt, finden sich Anlehnungen an die Projekte des Hauses Bartleby, das die systematische Karriereverweigerung propagierte. «I would prefer not to», lautete der Leitspruch der Experten des Alltags, denen bereits «Die glücklichen Arbeitslosen» um den philosophischen Gesellschaftskritiker Guillaume Paoli oder Piotr Mordel und Adam Gusowski vom Club der polnischen Versager vorangingen.

Den Karrieren der schöngeistigen Karriereverweigerern aus dem Hause Bartleby schadete ihre militante Karriereverweigerung nicht. Diese diente einigen von ihnen sogar als Karrieresprungbrett. Die Karriere von Lenz bei taz Berlin ist beendet. Ob die Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand den Karrieren weiterer Beteiliger schaden wird, hängt entscheidend von der Perzeption ihrer Aktivitäten ab.

Fotos auf: https://www.flickr.com/photos/lejeunemartin

Von Martin Lejeune

9 Antworten auf „Deutscher Journalist beantragt Asyl in der schwedischen Botschaft“

Wie konnte es soweit kommen, wenn die taz jetzt auch schon Regierungstreu geworden ist. Super Hr. Lenz , das sie noch zu den wenigen wahren Jornalisten
in diesem Land gehören, die ihren Beruf ernst nehmen. Bitte weiter so, das macht uns allen Mut auch wach zuwerden und aufzustehen. Wir sehen uns bei den Spaziergängen.
Vielen Dank für ihren Mut.

Warum. müssen Polizisten keinen Mundschutz tragen , wenn sie einem so nahe kommen……

Warum haben die Genossenschaftler der taz bei der „redaktionellen Gestaltung“ kein Mitspracherecht? Eigentümer der anderen, dem Hauptstrom zuzurechenden Medien, scheinen sehr wohl die „Blattlinie“ zu bestimmen. Die taz gehört den Genossenschaftlern. Warum haben wir kein Mitspracherecht?

Was ist denn ein fester freier Mitarbeiter?
Ein freier Mitarbeiter ist doch nicht fest angestellt. Das wäre ein Angestellter. 🙂

es ist kompliziert und eine Besonderheit der prekären Pressebranche. Eigentlich habe ich versucht, in dem Text zu erklären, was ein fester freier Mitarbeiter ist. Es tut mir leid, daß ich gescheitert bin

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