Geschwister bei rechter Demo durch Polizeieinsatz verletzt

Etwa 500 Teilnehmer eines Aufzugs unter dem Motto „Es reicht! Zunehmende Gewaltdelikte in Deutschland“ marschierten am 24.08.2019 durch Hannover. Mit dabei Gerd Ulrich von der Heimattreuen Deutschen Jugend, Andreas-Dieter (“Adrich”) Iloff vom Deutschen Bund, Paul Sass, ein Göttinger Neonazi, General Joachim Wundrak, AfD-Kandidat für die Wahl zum Oberbürgermeister in Hannover und Henryk Stöckl, der die Veranstaltung per Video zum Teil „in extrem dramatisierter Form“ darstelle.

Am Rande des Aufzugs kam es zu polizeilichen Massnahmen gegen zwei türkische Geschwister, die zuvor von zwei Teilnehmern der Versammlung provoziert worden sein sollen.

Fünf Mitglieder einer türkischen Familie, unter ihnen die beiden Geschwister, waren im Zentrum von Hannover auf dem Weg von einem Restaurant in ein Café. Nach übereinstimmenden Aussagen der Familienmitglieder gegenüber StraTurka seien sie zufällig an den Marsch geraten.

Die zwei Teilnehmer sollen aus dem Aufzug heraus die Familienmitglieder angeschrien und beleidigt haben. Melissa, so heißt die 18-jährige Tochter der Familie, sagte StraTurka, sie sei „plötzlich und unerwartet attackiert“ worden.

Als auch noch ihre Mutter Serpil mit den Worten „Kopftuchträgerinnen raus aus Deutschland!“ geschmäht worden sei, habe Melissa die Geduld verloren und die Pöbler zur Rede gestellt. „Was soll das? Weshalb respektierst Du meine Mutter nicht?“, habe sie ihnen entgegnet.

Danach sei sie, so erzählt es Melissa, die kleiner als 1.60 Meter ist, von zwei männlichen Polizisten angegangen worden. Die Beamten hätten sie zu Boden geworfen und ihr Gesicht auf den Asphalt gedrückt.

Melissa sagt: „Ein Polizist trat mit seinem Knie auf meinen Kopf und drückte mich sehr fest zu Boden. Dadurch bekam ich Prellungen und Schürfwunden, die eine Ärztin durch ein medizinisches Gutachten bestätigte.“

Die polizeilichen Maßnahmen gegen die junge Frau sind in einem Video dokumentiert, das die Mutter von Melissa StraTurka schickte.

Melissas Bruder Tufan (21), der seiner kleinen Schwester zur Hilfe kommen und sie vor den Polizisten habe beschützen wollen, so erzählt es die Mutter, erlitt ebenfalls Prellungen und Schürfwunden. Laut übereinstimmenden Zeugenaussagen gegenüber StraTurka habe Tufan während des Polizeieinsatzes vorübergehend das Bewusstsein verloren. Der 10-jährige Bruder Hassan sei während der Ereignisse geschubst worden.

Rechtsanwalt Nicolai Zipfel sagte StraTurka, ihm sei nach der Maßnahme durch die Polizei der Zugang zu seinem Mandanten Tufan verwehrt worden während dieser sich in Polizeigewahrsam befunden habe. Zipfel bewertet die polizeiliche Maßnahme gegen seinen Mandanten als „hart“.

Ein Sprecher der Polizei Hannover kommentierte die Geschehnisse aus seiner Sicht: „Während der Demonstration kam es zu einer Rangelei zwischen Versammlungsteilnehmenden und einer jungen Frau, die mit einem Tschador bekleidet war. Was zu der Rangelei führte ist derzeit Gegenstand weiterer Ermittlungen. Der augenblickliche Sachstand, wie er sich der Polizei darstellt, ist folgender:

Die Polizei ist dazwischen gegangen und hat die 15-jährige, nachdem sie heftigen Widerstand leistete, zu Boden gebracht. Die junge Frau muss sich nun wegen des Verdachts des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung verantworten.

Während der Festnahme hat eine männliche Person (21) eine Polizeibeamtin angegriffen. Auch diese Person muss sich nun wegen des Verdachts des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung verantworten. Die Polizeibeamtin erlitt bei dem Angriff leichte Verletzungen.

Gegenwärtig ist kein Fehlverhalten der Einsatzkräfte zu erkennen, daher laufen aktuell keine Ermittlungen gegen sie. Eine abschließende Prüfung erfolgt durch die Staatsanwaltschaft Hannover.“

Zwei Anmerkungen von StraTurka zu den Äußerungen des Polizeisprechers: Die vermeintlich 15-jährige ist ihren eigenen Angaben nach 18. Und sie trug keinen Tschador, sondern ein schwarzes Abendkleid mit Tuch. Das beweisen zahlreiche Videoaufnahmen und Fotografien, die StraTurka vorliegen.

Die Mutter der verwundeten Geschwister sagte StraTurka: „Ich habe seit drei Tagen Alpträume. Ich bin völlig fertig mit den Nerven. Dazu noch die Härte der Polizei. Das macht mich alles völlig fertig.“

Melissa, die der türkischen Minderheit in Deutschland angehört, sagt, sie wisse seit diesem Tag nicht mehr, ob sie wirklich zu Deutschland gehöre. Die fünf Mitglieder der Familie seien aufgrund der Erlebnisse traumatisiert, sagen Melissa und ihre Mutter.

Die vollständigen Namen der Familienmitglieder sind StraTurka bekannt, werden jedoch zur Wahrung ihrer Persönlichkeitsrechten nicht veröffentlicht.

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