Hervorragend: Corona und die Demokratie – eine linke Kritik

Eine Buchempfehlung

Endlich ’mal was Intelligentes zu Corona. 190 Seiten. Packend geschrieben. Ein Abend reicht. Gestopft voll mit Fakten und klarem Denken. In dem Buch geht es auch um Viren, aber vor allem um das, was unsere Regierung und das komplette Medienpower unseres Landes daraus gemacht haben: nämlich eine Nation, die nur noch in einem einzigen Rhythmus denkt, im gleichen Schritt marschiert, die Abweichler ausschließt, und die Alten, die sich heimlich aus der Wohnung schleichen, denunziert.

Allein schon wegen des “Geleitworts” lohnen sich die 15 Euro. Nein, keine Angst, weder von Frau Merkel noch vom Bundesinnenminister. Die Autorin, Rebecca Niazi-Shahabi, nähert sich dem, was sie mit bestechender Klarheit als den psychotischen Kern der C-Geschichte beschreibt: die Angst des Menschen vor seinem eigenen Tod. Die eigene Angst um das Leben. Und dieses Leben ist nicht das Leben in seiner vollen humanen Dimension, sondern das physische Leben. Das physische Leben – und sonst nix.

Dieses “Geleitwort” ist von glänzender sprachlicher Schönheit, und dazu auch noch prägnant gedacht. Wem der Ton unserer Sprache und die Musik des Denkens noch etwas bedeuten wird es genießen, auch, wenn man vielleicht in der Sache anderer Meinung wäre. Ein kleines Meisterwerk. 

Die übrigen Artikel sind allesamt kurz und bequem, und inhaltsreich ohnehin. Nicht anstrengend. Armchair geeignet. Man muß nicht alles lesen.

Von den Fakten-Kapiteln ist der besonnene Text zu Schweden endlich mal was Seriöses über die Leute da oben, die man uns als dümmliche Bösewichter vorgeführt hat. Haben wir wirklich unseren Medienherrinnen und Herren geglaubt, wenn sie uns mit viel Vergnügen und genüßlich hämischer Schadenfreude jeden neuen Todesfall in Schweden servierten?

Da liest man, daß es in Schweden in der Tat mehr Todesfälle gegeben hat als in Norwegen und bei uns, aber massiv weniger, als in allen anderen Ländern der Welt. Und das, ohne das Land in den wirtschaftlichen Abgrund zu fahren, der in den kommenden Jahren und vermutlich Jahrzehnten die Steuereinnahmen so schwinden lassen wird, daß es kein Geld mehr geben wird für unsere Krankenhäuser, die Alten, die Schulen, die Schwachen. Mit den zahllosen dadurch unvermeidlichen Todesfällen und Zerstörung von Lebens-Chancen.

Das Buch atmet links. Viele Texte sprechen von denen, die in unserem offiziellen C-Diskurs nicht vorkommen. Thema des Buches ist nicht, was der Corona -Virus bedeutet, sondern was die Corona Politik bedeutet: für die 1,2 Millionen Menschen in unserem Land, die “Kultur” machen, für Kinder, Jugendliche, prekär lebende Familien, Frauen, Geflüchtete, die Alten, die Gefangenen.

Alles richtig, wichtig, interessant. Doch was einzigartig ist an dem Bändchen, das ist folgendes: immer wieder lenkt es unseren Blick weg von dem Nachrichten-Stakkato der Medien und der Politik hin zu dem, was hier wirklich auf dem Spiel steht: Die Würde des Menschen, seine Freiheit, die Selbstbestimmung. All das hat man uns weggenommen. Und die Volksgemeinschaft hat geschlossen Beifall geklatscht. Jetzt haben wir es gelernt: wie leicht es ist, ein Volk in den Volksgemeinschaftsmodus zu versetzen. Und auch: daß Corona keine deutsche Krankheit ist, sondern eine Menschen-Krankheit. Schade. Blöde Erkenntnis.

Gerald Grüneklee, Clemens Heni, Peter Nowak: Corona und die Demokratie – eine linke Kritik. Edition Critic, Berlin, 2020. 15 Euro

GERALD GRÜNEKLEE arbeitet als Sozialpädagoge in Bremen, er ist seit vielen Jahren in der Buchbranche als Publizist, Antiquar, Verlagsservice, Lektor aktiv.

CLEMENS HENI ist Politikwissenschaftler und Direktor des Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA).

PETER NOWAK ist Journalist und schreibt u.a. für Telepolis, Konkret, jungle world, Freitag, Neues Deutschland.

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