Ist der Kapitalismus am Ende?

Aus einer verschlafenen und im Wohlstand und gleichzeitig in bitterer in Armut dahin existierenden Welt wurde Ende des 19. Jahrhunderts ein Geldtopf, der immer weiter gefüllt werden musste. War eine Kapitalvermehrung vor der Industrialisierung vor allem durch Kriege und infolge der Landeinnahme und der Kriegsfinanzierung möglich, so brach sich nun das Produktionsvermögen seinen Weg.

Um Geld zu generieren wurden bis in die Jetztzeit immer günstigere Produktionsmöglichkeiten gesucht und in den ärmeren Ländern gefunden. 

Nehmen wir den Industriezweig, der schon immer vorangegangen ist. Die Textilindustrie. Mit der Entwicklung der Webstühle begann eine unaufhaltsame Knechtung der Arbeiterschaft einhergehend mit immer größer werdendem Wohlstand der Kapitalgeber.

Nehmen wir Deutschland als Beispiel und machen wir einen Sprung in die 60ziger, als Seidensticker als erstes Textilunternehmen seine Produktion ins Ausland verlegte. Damals war der Sprung noch nicht so groß und es reichte aus, die billigen Produktionsmöglichkeiten in Polen zu nutzen. Natürlich zogen alle anderen nach und während die Langsamen noch an Polen dachten oder aufgrund des Preisdruckes ihre Produktion im Inland aufgeben mussten (wir sprechen von über 1 Mill. Beschäftigter), ließ Seidensticker schon in Jugoslawien arbeiten. Aus Jugoslawien wurde Rumänien, dann Bulgarien usw. Heute ist es Fern-Ost mit den Zentren Korea, Vietnam, China. Selbst Nordkorea wird heute von China benutzt, um billig fertigen zu können.

Was zur Folge hatte, dass in diesen Ländern aufgrund der Vollbeschäftigung und der erhöhten Nachfrage eine Einkommensstruktur geschaffen wurde, die langsam den Aufbau von Wohlstand mit sich brachte. Wohlstand führt zu Konsum, Konsum führt zu höheren Preisen, höhere Preise führen zu Aufgabe der Kleinunternehmer und zur Konzentration und Erhöhung der Umsätze und Gewinne auf die Konzerne. Und zur Verlagerung der Produktion in noch preisgünstigere Länder. Und was nicht vergessen werden darf, diese Kapitalisierung der Länder führte auch zu einer politischen Konzentration auf die Interessen des Kapitals. Und das Kapital wurde belohnt, durch die Zulassung von internationalen und nationalen Firmenzusammenschlüssen, kaum noch überschaubar für die Politik. Es wurde eine Macht außerhalb der demokratischen Legitimation geschaffen.

Am Scheideweg war das Kapital nun angekommen. Die preisgünstigen Produktionsmöglichkeiten in Ländern, die Gewinne versprechen, sind ausgenutzt. Was bleibt zur Kaptalmehrung ist Indien und der afrikanische Kontinent. Aber die Mentalität der Bevölkerung verspricht keine Gewinne, sondern eine mühsame Kolonialisierung, welche erst einmal Geld kostet. China versucht es derzeit, mit wenig Erfolg. Unter Einsatz der eigenen Bevölkerung in den afrikanischen Ländern.

Diese Ausgangssituation, verbunden mit der Nullzins-Politik, bremste eine weitere Kapitalschaffung aus. Dazu kommt, dass aufgrund der Nullzins-Politik viele kleine Unternehmen trotz wirtschaftlicher Schwäche weiter existieren konnten und diese somit Umsatz und Ertrag der Konzerne minderten.

Ist der Kapitalismus am Ende? Nein, denn wo Geld ist, ist auch ein Weg. Die Corona Krise war absehbar. Seit gut einem Jahrzehnt haben die Experten dieses Szenario angekündigt. Doch während die Politik weiter sanft schlief, hat sich das Kapital schon lange darauf vorbereitet. Und nun war es endlich soweit. Die Jahre der Lobbyarbeit zahlen sich jetzt aus. Weltweit wurde ein Kapitalvermehrungsprogramm in unvorstellbarem Ausmaß gestartet. Welch ein Geldsegen für das Kapital! Und nicht nur die staatlichen Kreditaufnahmen kommen den Konzernen zugute, nein, auch das Versprechen von Finanz- und Wirtschaftsminister, dass selbstverständlich nur die kapitalstarken Unternehmen gefördert werden, heißt im Umkehrschluss eine Marktbereinigung und die lang ersehnte Schaffung von mehr Umsatz und mehr Ertrag für die Konzerne. 

Ja, es hätte auch ein Einsehen geben können. Eine politische Opposition. Experten, die einen neuen internationalen und solidarischen Weg aufzeigen. Die uns Hoffnung auf ein friedvolles Miteinander gegeben hätten. Die uns auch ein gemeinsames Europa hätten näherbringen, ja gerechter machen können. Doch diese Stimmen sind verstummt. Oder wo sie aufkommen, werden sie mit undemokratischen Mitteln zum Schweigen gebracht. 

Diktatoren gehen voran, Demokratien folgen in vermeintlich guter Absicht. Medien schweigen. Menschen schweigen. Angst vor dem Nächsten, vor dem Nachbarn bestimmen nun unser Handeln. Mit dem Mainstream gehen ist nun Lebensaufgabe geworden.

Der Kapitalismus zeigt sich nun, jetzt noch versteckt, aber bald in all seinem Wirken. Insolvenzen werden in großem Umfang Existenzen vernichten, Menschen werden nach ihrem Nutzen für das Kapital bemessen, das Miteinander zukünftig noch stärker von wirtschaftlicher Stärke bestimmt.  Rechtsstaatlichkeit bekommt eine neue Bedeutung.

Hartz 4, ein Kindergeburtstag verglichen mit dem, was nun auf uns zukommt. 

Tragen wir es wieder mit Fassung. Akzeptieren wir wieder einmal das Unvermeidliche. Leben wir die Freiheit, die man uns lässt. 

Sicher, man wird uns weiterhin „Brot und Spiele“ geben. Aber was ist mit unserer persönlichen Freiheit. Was ist mit der Demokratie? Wo ist die demokratische Seele unserer Republik? 

Es gibt nur ein Resümee. Das Kapital hat gesiegt. Die Freiheit hat verloren. 

Und was werden wir unseren Enkeln sagen, wenn sie nach der Demokratie fragen. Wie war das mit der persönlichen Freiheit der 60zigern. Wie war es mit der Freiheit nach der Wiedervereinigung? Wie konntet ihr den Untergang der Freiheit zulassen?

Und wir werden sagen „davon haben wir nichts gewusst“. Und uns wieder im Pay-TV einer amerikanischen Dumpf-Serie zuwenden, die uns in das Vergessen wiegt.

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