Kaum Talk über Terror gegen Muslime

Ich habe mir einen Woche lang die wichtigsten Talkshows im Deutschen Fernsehen angeschaut, weil ich wissen wollte, ob der Terror gegen Muslime besprochen wird.

Allein am 15.03.2019, dem Tag, an dem etwa um ein Uhr früh morgens deutscher Zeit der schlimmste Terroranschlag gegen Muslime in der westlichen Welt stattfand, gab es laut Fernsehprogramm „TV-Info“ 25 Sendungen in der Rubrik „Talk“ im deutschen Fernsehen.

Ein Rückblick auf die Talkshow-Woche:

„Hart aber fair“ diskutierte am 18.03.2019 die Frage „Frauen unter Druck, Männer am Drücker: Alles so wie immer?“ Ein sehr wichtiges Thema, das immer aktuell ist. Aber hätte die Redaktion so kurz nach dem beispiellosen Terror gegen Muslime sich nicht für Christchurch entscheiden können und das eigentlich geplante Thema auf die nächste Woche verschieben können?

Im „Tagesgespräch“ am 15.03.2019 war das Thema „Schülerstreik für das Klima: Brauchen Jugendliche mehr politischen Einfluss?“.

In „Mein Nachmittag“ am 15.03.2019 ging es um „Alltagswissen: Tanzen tut gut!“.

Im „Kölner Treff“ am 15.03.2019 sprachen Susan Link, Micky Beisenherz, Verona Pooth, Steffi Neu, Peter Kraus, Frank Goosen, Martin Armknecht und Anne Fleck. Thema war unter anderem die Heilkraft gesunder Ernährung. Der Terror gegen Muslime an diesem Tag war kein Thema.

Das „Nachtcafé“ am 15.03.2019 behandelte das Thema „Freundschaft – wenn nichts unmöglich ist“. Den Terror gegen Muslime blieb unerwähnt.

Im „Riverboat“ am 15.03.2019 sprachen Mirja Boes, Alfons Schuhbeck, Olivia Jones, Jens Weißflog, Manon Straché, David Kross und Maxi Biewer. Thema war unter anderem das so genannte Dritte Geschlecht. Über den Terror gegen Muslime wurde nicht geredet.

In der „NDR Talk Show“ am 15.03.2019 sprachen Nadja Tiller, Natascha Giller, Uwe Ochsenknecht, Cordula Stratmann, Steffen Henssler, Laura Karasek, Mai Thi Nguyen-Kim und Immo Ortlepp. Thema war zum Beispiel der Hirschrufer. Die Anschläge auf Muslime wurden nicht besprochen.

In „Käptn’s Dinner“ am 16.03.2019 ärgerte sich Gregor Gysi unter anderem über die Art und Weise der Wiedervereinigung. Die Anschläge in Neuseeland waren kein Thema.

Im „Presseclub“ am 17.03.2019 diskutierte man die Frage „Spiel auf Zeit – Wann endet das Brexit-Chaos?“.

In der „Tele-Akademie“ am 17.03.2019 stritt man um die Frage „Chinas Finanzmacht und Südostasien: Ordnungsfaktor oder neue Abhängigkeit?“.

In „Anne Will“ am 17.03.2019 wurde der Frage „Zwischen Höchstleistung und Überlastung – wann macht Arbeit krank?“ nachgegangen.

In der „Phoenix Runde“ am 19.03.2019 war das Thema „Scheidung auf Raten? GroKo-Streit ums Geld“.

„Markus Lanz“ am 19.03.2019 hatte vier Gäste mit vier Themen: Katja Kipping über die Landtagswahlen im Osten, Kristina Dunz über den aktuellen Zustand der Partei „Die Linke“, Anna Loos über besondere Stationen ihres Lebens und Achim Gruber über das stille Leiden der Haustiere. Und was ist mit dem stillen Leiden der Opfer in Christchurch? Über dieses Leiden wurde geschwiegen. Wie auch in den darauf folgenden Sendungen von „Markus Lanz“.

„Sandra Maischberger“ am 20.03.2019 fragte ihre Gäste: „Populisten gegen Europa: Ist der Brexit erst der Anfang?“

Bei „Maybrit illner“ am 21.03.2019 ging es um die Frage: „EU im Überlebenskampf – und Deutschland schaut zu?“

Bei „Barbara Stöckl“ am 21.03.2019 war der Terror gegen Muslime auch kein Thema.

Sehr gut gefallen hat mir die Talkshow „Der Sonntags-Stammtisch bayerisch bissig bunt“ am 17.03.2019. Das war eine unterhaltsame Fernseh-Diskussionsrunde bei Bier und Brezn in den Schankwirtschaft „Brunnerwirt“, einer Metzgerei in Lansing. Die Sendung, in der viel über Bayern gesprochen wurde, zeigte der lokale Fernsehsender „Bayerischer Rundfunk“. Am 17.03.2019 sprach Gastgeber Hans Werner Kilz mit seinen Gästen Moni Well, Klaus Bogenberger, Martin Hagen und Eisi Gulp auch über den Terror gegen die Muslime in Neuseeland. Die AfD wurde von den Gästen der Sendung zu Recht wegen ihrer unsäglichen Reaktion auf die Anschläge attackiert. Und auch Donald Trump wurde für seine „Muslimen-Blockade“ kritisiert.

Moderator Hans Werner Kilz analysierte sogar ausführlich das Phänomen Islamophobie und kam zu dem Schluß“: Alles wird unter Islamismus abgebucht und hetzt die Menschen auf. Da müssen wir mal bei der Wortwahl aufhören!“, fordert er die Öffentlichkeit auf.

Und der Abgeordnete Martin Hagen nennt die Ursache der Anschläge beim Namen: den Rechtsterrorismus. Auch der Terroranschlag auf Muslime in der Olympia Shopping Mall in München wird thematisiert und als Rechtsterrorismus eingeordnet. Solche klaren Worte – oder überhaupt nur ein einziges Wort zu Christchurch – hätte ich mir auch von allen anderen Talkshows gewünscht.

„Der Sonntags-Stammtisch bayerisch bissig bunt“ kann nicht anders als die beste Talkshow im deutschen Fernsehen bezeichnet werden.

Meiner Recherche nach ist „Der Sonntags-Stammtisch bayerisch bissig bunt“ die einzige Talkshow im deutschen Fernsehen, die sich in der Woche von Freitag, dem 15. März 2019 bis Donnerstag, dem 21. März 2019 mit den Terroranschlägen auf die Moscheen in Neuseeland befasst hat. Sollte ich eine Talkshow, die den Terror gegen Muslime besprochen hat, übersehen haben, so bitte ich um Hinweise und trage dies an dieser Stelle nach.

Wenn nur eine einzige der hier erwähnten Talkshows in dieser Woche die Anschläge gegen Muslime verschwiegen hätte, dann könnte man dies damit erklären, daß die Mitarbeiter der betreffenden Sendung versagt hätten. Da aber fast alle Talkshows im deutschen Fernsehen die Moschee-Anschläge Tod schweigen, liegt hier kein Versagen von einzelnen Mitarbeitern vor. Das System stinkt vom Kopf her. Einzige Ausnahme: Der „Bayerische Rundfunk“.

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