Moschee-„Belagerung“ im Wahlkampf

Seit dem 25.08.2019 versammeln sich islamophobe Aktivisten gegenüber dem Eingang der Marwa El-Sherbini Moschee in Dresden. Nur wenige Meter liegen während des heutigen Freitagsgebetes zwischen betenden Muslimen und lärmenden Moscheegegnern.

Die Demonstranten rufen laut „Abschieben! Abschieben!“ einem jungen Mann zu, der gerade zum Freitagsgebet gekommen war. Ein Teilnehmer der Versammlung hält ein Schild hoch, auf dem ein roter spitzer Stöckelschuh auf Korane tritt. Muslime empfinden diese Darstellung als Schändung ihres heiligen Buches.

Veranstalter der Versammlung mit dem Thema „Wir lassen die Moschee in Istanbul und die Kirche im Dorf! Keine Moschee in Dresden/Sachsen!“ ist laut Ordnungsamt der Stadt Dresden die Wellenlängen Bürgerinitiative. Hinter dieser stehen wohl die Initiatoren der Facebook-Seite Heidenauer Wellenlänge, ein Projekt des Zukunft braucht Bildung e.V. in Meißen.

Unter den Versammlungsteilnehmern seien nach Angaben eines politischen Beobachters „Akteure des rechtsextremen Spektrums“. Zu diesen gehört auch der Waffenhändler Edwin Wagensveld (Pegida Holland), der mit Anja Wagensveld die Website www.der-hollander.de betreibt und der rechtsextreme Schweizer Politiker Ignaz Bearth. Beide waren auch bereits gemeinsam in Mönchengladbach gegen Muslime demonstrieren.

Wagensveld, der laut Kennern der Szene auch mit der rechtsextremen Volksfront in Holland sympathisieren soll, zeigt Muslimen vor der Moschee eine grüne Fahne mit den Worten: „Der Islam ist eine Lüge. Mohammed ist ein Verbrecher. Der Koran ist Gift.“

Unter dem Motto „Mahnwache für Meinungsfreiheit und gegen die Islamisierung“ protestieren sie „gegen die Pläne zur Errichtung einer Moschee in Dresden“ und gegen den „Islamischen Staat“, so lauten die Angaben auf einem Flugblatt, das für die Versammlung vom 25. bis 31.08.2019 vor der Moschee wirbt.

Nach Erkenntnissen der Behörden in Dresden steht die Moschee nicht in Verbindung mit dem „Islamischen Staat“. Islam-Experten in Deutschland bewerten die Prediger und die Mitglieder der Gemeinde als gemäßigte Muslime, die unmissverständlich für die Meinungsfreiheit einstehen.

Eine Sprecherin der Stadt Dresden dementiert zudem, daß die Errichtung einer Moschee konkret geplant sei. Es sei zwar eine vage Bauvoranfrage eingereicht worden, der Antrag sei jedoch nicht vollständig und könne daher von der Stadtverwaltung nicht bearbeitet werden. Ohnehin gelte bis August 2020 eine Veränderungssperre, welche die Errichtung einer Moschee verhindere.

Die Versammlung der Heidenauer Wellenlänge, die genau gegenüber der Moschee für Unmut unter den Gemeindemitgliedern sorgt, dient lediglich der politischen Stimmungsmache anläßlich der Landtagswahl in Sachsen. Dresden ist die Landeshauptstadt des Bundeslandes, in dem am Sonntag gewählt wird.

Die Heidenauer Wellenlänge ist bekannt für regelmäßige politische Aktionen. Ihr scheinen auch einige Hardcore-Rechte anzugehören, die letztes Jahr für die Hetz-Jagden in Chemnitz mitverantwortlich gewesen sein sollen.

Über die Facebook-Seite der Heidenauer Wellenlänge soll das berühmte „Hase, du bleibst hier“-Video aus Chemnitz verbreitet worden sein.

Es fällt auf, daß relativ viele Frauen in der Heidenauer Wellenlänge involviert sind. Madeleine Feige, Politikerin der nationalkonservativen Partei Aufbruch deutscher Patrioten – Mitteldeutschland (ADPM) tritt regelmäßig für die Heidenauer Wellenlänge vor die Kamera. Sie fungiert als Schnittstelle zwischen Zivilgesellschaft und rechter Szene.

Für das heutige Freitagsgebet sollen Teilnehmer der Versammlung aufgerufen haben, in Badehose zu kommen, berichtet ein Sheikh in Dresden. Er sagt: „Ich empfinde die Mahnwache als Belagerung unserer Moschee. Die Mahnwache beeinträchtigt meine Religionsfreiheit.“

Laut Behördenangaben wurden circa 1.500 Muslime zum Freitagsgebet erwartet.

Die Marwa El-Sherbini Moschee ist nach der Muslimin benannt, die der Terrorist Alex Wiens vor zehn Jahren im Gerichtssaal 0.10 des Landgerichts Dresden vor den Augen der Öffentlichkeit ermordete. El-Sherbini war im dritten Monat schwanger. Ihr Baby starb mit ihr. Am Tatort feuerte ein Polizist mit seiner Schusswaffe gezielt auf El-Sherbinis Ehemann, den er fälschlicherweise für den Terroristen hielt und verwundete.

Die Sprecherin der Stadt Dresden bezeichnet die Marwa El-Sherbini Moschee als größte muslimische Gemeinde in Dresden.

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