Bavaria election marks crisis of major parties

It is a further erosion of Germany’s political mainstream. Former major party SPD got only 9,7 % of the votes. CSU suffered their worst election result since 1950 and is now considered to be a major party in transition.

This election indeed marks a crisis of major parties. Minor parties as the Greens (17,5 %) and Free Voters (11,6 %) are benefiting from the crisis of major parties.

Free Voters have won votes where CSU has lost them. Free Voters are strong in the countryside. They were established in communities and villages as secessions of the CSU. Free Voters became CSU’s most likely coalition party.

The outcome of Bavaria state elections shows a trend for Germany. Germany’s whole party system is under way to become more influenced by minor parties.

Bavaria election is also a further shift to the far-right. The far-right is pleased about 21,8 % as both right-wing parties Free Voters got and AFD of the votes.

AFD (10,2 %) is now in 16 of 17 assemblies on Federal and on State level. In two weeks the State election of Hesse will take place. ADF will have entered all 17 assemblies on Federal and State level.

Economically the outcome will not affect Turkey because both Bavaria and Germany are still interested in growing trade relations and direct investments between the countries.

But refugee politics in Germany might become more difficult because AFD and Free Voters are both for restrictions against migration.

Also religions and foreigners politics may become more difficult because AFD wants to restrict the rights of Muslims in Bavaria state as well as in whole Germany.

Merkel’s position is considerably weakened by the outcome of this election. Voters had lost trust in both Bavarian State government and in Merkel’s federal government.

Bavaria election raising tensions in Berlin. 1) The outcome will stoke infighting in the faction of the conservative parties at Federal Parliament „Bundestag“. 2) The outcome will stoke infighting within the governmental coalition of the Christian Unions and the Social Democrats.

How did the Greens become successful in Bavaria?

The Greens are the big winner in Bavaria election. The Greens come second after CSU.

The Greens have started as left-wing oriented in the late 70s and 80s, they became more central oriented in the 90s and liberal in the late 90s. Now they are even partly conservative. In March 2011 (two weeks after the Fukushima nuclear disaster had begun), the Greens made large gains in the states of Rhineland-Palatinate and in Baden-Württemberg. In Baden-Württemberg they became the senior partner in a governing coalition for the first time. Since 2011, Winfried Kretschmann is the first Green to serve as Minister-President of a German State. The Greens of Bavaria are mostly central oriented.

At the ballot box in Bavaria,

1) the Greens were benefiting from urbanization. 1.5 million Germans moved to Bavaria from other states in the past ten years. In urban areas, the Greens got more than 30 % of the votes. In Bavaria, the first vote allows the elector to vote for a direct candidate who applies for a direct mandate in the assembly. For the first time, the Greens got five direct mandates in Munich.

2) the Greens were benefiting from their protest agains the new Bavarian police task act. In May, Bavaria’s state legislature passed a controversial law expanding police powers in Bavaria. Citizens now can be arrested for three months without the verdict of a judge. Greens attacked the bill as draconian and warned it could become a blueprint for expanded police powers across Germany. Greens were among the organizers of biggest Munich protest in years against this hard-line CSU police bill.

3) the Greens were benefiting from their ecologist campaigns against nuclear power energy and against impervious surfaces.

Gerechtigkeit für Nidal Rabih

Fast vierzig Tage ist es her, daß Nidal Rabih durch mehrere Schüsse hinterhältig ermordet wurde und noch immer hat die Polizei die Mörder nicht verhaftet. Vierzig Tage, so lange dauert im Islam die Trauer der Hinterbliebenen. Aus diesem Anlass protestierte die Familie von Nidal Rabih am Sonntag Nachmittag am Tatort des Mordes friedlich gegen die Polizei, die sich von Seiten der Familie Rabih schwere Vorwürfe gefallen lassen muss.

Mahmoud Rabih, der Vater von Nidal, gab mir am Sonntag ein exklusives Interview. Doch zunächst möchte ich der Frage nachgehen, die sich ganz Berlin, ja sogar ganz Deutschland stellt, nach den unzähligen Berichten über Nidals Ermordung und seine Beerdigung in den Zeitungen und TV-Sendern. Diese Frage lautet: Wer war Nidal?

Attendance of Thousands at the funeral of Nidal Rabih

Nidal war ein fürsorglicher Vater von zwei Kindern, stark wie Löwen. Nidals Kinder bezeugen, das er ein guter Vater war.

Nidal war hilfsbereit gegenüber jedem, der Hilfe brauchte. Wer hungrig war und zu Nidal kam und ihm sagte, daß er kein Geld habe, um sich Essen zu kaufen, dem gab Nidal Geld aus seiner eigenen Tasche.

Nidal deckte seinen Tisch für jeden, der Hunger hatte. Nidal war der Vater der Armen. Und auch den Menschen in Palästina spendete er sein Geld. Die Medien, die Nidal in Verbindung setzen mit Gangster-Filmen und Serien wie „4 Blocks“, diese Medien frage ich: Weshalb bringt ihr Nidal nicht mit Robin Hood in Verbindung? Oder mit einem Armenvater?

Nidal war auch ein Schlichter, der den Streit zwischen den Menschen schlichtete.

Und Nidal war jemand, der sich mit allen gut verstand. All diese guten Eigenschaften von Nidal und seine guten Taten, die ihm einen Platz im Paradies geben mögen, werden verdeckt von unzähligen Medien-Berichten, die nur Schlechtes über Nidal berichten. Das hat Nidal nicht verdient, daß die meisten Medien nur Negatives über ihn berichten. Er war nicht derjenige, der 50 Millionen Menschen ermordete. Nidal war kein Mörder.

Nidal machte Fehler in seinem Leben, aber nach seinem Tod hat niemand das Recht, ihn negativ darzustellen. Nidal gehörte nicht zu einem kriminellen Clan, wie immer wieder falsch berichtet wird. Nidal hat es nicht verdient ermordet zu werden. So etwas Schreckliches hat kein Mensch verdient.

Nidal verdient Gerechtigkeit. Seine Mörder sollen ihre gerechte Strafe bekommen. Doch dafür ist es erforderlich, daß die Polizei zunächst die Mörder verhaftet. Weil in dieser Richtung aus Sicht der Familie Rabih nicht genügend getan wird, versammelte sich die Familie am Sonntag am Tatort um gegen die Polizei zu protestieren.

„Wie können die Mörder noch frei sein?“, fragt Mahmud Rabih, der Vater. „Die Polizei weiß, wer sie sind. Sie ermordeten Nidal ohne Masken. Sie gingen entspannt weg vom Tatort. Es gibt Fotos und Videos von den Mördern. Bis heute hat die Polizei sich nicht geäußert zu den Fotos, die von den Mördern veröffentlicht wurden“, klagt Mahmud Rabih.

Er nennt die Ermordung eine „feige Tat“, Nidal vor den Augen seiner Kinder, Frau, Schwestern und Brüder zu ermorden. Nidals Vater fragt: „Wo bleibt die Menschlichkeit?“

Mahmud Rabih erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei, die ihre Arbeit nicht ordnungsgemäß verrichte und in diesem Falle nicht gewißenhaft ermittle. 

Der Vater habe das Gefühl, Täter und Polizei stecken unter einer Decke. „Niemand von der Polizei kam bisher zu mir und erklärte mir, was los ist. Ich bin der Vater. Ich habe ein Recht darauf, zu erfahren, was los ist und was die Polizei tut“, kritisiert Mahmud.

„Wir fühlen uns von der Polizei im Stich gelassen“, spricht der Vater im Namen der Familie Rabih. „Wir haben das Gefühl, von der Polizei hintergangen zu werden.“ Er habe das Gefühl, das von Seiten der Polizei zugunsten der Täter gehandelt werde und nicht zugunsten des Opfers.

Auch beklagt Mahmud, daß sich die Polizei etwa zwanzig Minuten Zeit gelassen habe, bis sie am Tatort nach der Tatzeit eingeschritten sei. Der Vater wirft der Polizei unterlassene Hilfeleistung vor zum Nachteil von Nidal.

Mahmud kritisiert auch den Polizeieinsatz während der Übermalung von Nidals Wandbild am Tatort: „Wie können sie sich so viel Zeit nehmen, um das Bild von Nidal wegzumachen anstatt in dieser Zeit die Mörder zu ermitteln?“

Der Vater richtet direkte Fragen an die Polizei: „Weshalb werden die Fahndungsbilder der Täter nicht veröffentlicht? Und weshalb bezieht die Polizei keine Stellung zu den Fotos der Täter, die Hinterbliebene im Internet veröffentlicht haben?“

Außerdem beklagt der Vater, die Polizei habe Nidal keinen Schutz angeboten, als sie ihn zwei Tage vor seiner Ermordung über seine Gefährdung informiert habe. Auch hier lautet der Vorwurf gegen die Polizei unterlassene Hilfeleistung.

Zudem sei während der Beerdigung von Nidal einigen Trauergästen der Zugang zum Friedhof erschwert worden durch die Polizei, sagt der Vater.

Auch während die Familie Rabih am Sonntag nachmittag am Tatort bei strahlendem Sonnenschein friedlich gegen die Polizei protestierte, hat die Polizei eine Zufahrtsstraße zum Tatort blockiert. „Um den Zugang zum Tatort für Teilnehmer des Protests zu erschweren?“, fragt sich der Vater.

Ich bin als Journalist verpflichtet, auch die Polizei nach ihrer Sicht der Dinge zu befragen. Doch bisher habe ich auf meine Fragen an die Polizei keine Antworten erhalten. Sollte ich zukünftig noch eine Antwort von der Polizei erhalten, so werde ich diese Antwort in einem Update dieses Artikels an dieser Stelle wiedergeben.

Mein Bericht über die Beerdigung von Nidal:

Tausende trauern am Grabe von Nidal Rabih

Zur Übermalung des Bildes von Nidal:

Nidal-Wandbild übermalt

Und wie der Bürgermeister auf meine Berichte reagiert:

Neuköllner Bürgermeister unterdrückt Journalisten

Mahmud, der Vater von Nidal, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei.

German government hosted project with supposed ties to FETÖ

Germany’s Federal Ministry of the Interior, Building and Community hosted the House of One during the open day from 25 until 26 August 2018.

The House of One says that it is „the world’s first shared house of prayer for Jews, Christians and Muslims“. Forum Dialog, formally known as Forum für Interkulturellen Dialog, is a founder of the House of One. Forum Dialog says it is inspired by the „Fethullah Gülen movement“. The „Fethullah Gülen movement“ is classified as a terrorist organization in Turkey under the assigned names Gülenist Terror Organisation (Fethullahçı Terör Örgütü; abbreviation: FETÖ) and Parallel State Structure (Paralel Devlet Yapılanması; abbreviation: PDY).

The Federal German government hosted a project with supposed ties to FET…Ö. Date: 26 August 2018. Place: Federal Ministry of the Interior, Building and Community, Alt-Moabit 140, 10557 Berlin, Germany. All rights of reserved.

Beside The House of One, I saw the Federal Office for Migration and Refugees, the Federal Criminal Police Office and Germany’s Intelligence Agency „BFV“ having information booths at the Federal Ministry of the Interior, Building and Community during the open day.

Only the Federal Government and its ministries with their departments, units and funding projects are permitted to present themselves at the open day.

I saw Dr. Markus Kerber, State Secretary at the Federal Ministry of the Interior, Building and Community, passing by the information booth of the House of One. Secretary Kerber is responsible for the organization of the German Islam Conference (Alman İslam Konferansı) in November 2018.

I wanted to ask Secretary Kerber why the German government is hosting a project with supposed ties to the FETÖ terrorist organization but Secretary Kerber did not approach to my request. His assistant told me that Secretary Kerber cannot talk to me. One moment later, a tall and muscular security guard came to me and told me to leave Secretary Kerber alone.

Close to the information booth of the House of One, I met Thomas Haldenwang, the Vice President of Germany’s Intelligence Agency „BFV“. I asked Vice President Haldenwang why does the German government allows an organization with supposed ties to the FETÖ terrorist organization to present itself at the Federal Ministry of the Interior, Building and Community?

Vice President Haldenwang told me that the „Gülen movement“ – as he called FETÖ – is not classified as a terrorist organization in Germany. According to Vice President Haldenwang, Germany’s Intelligence Agency „BFV“ does not monitor the „Gülen movement“ because it is no security threat to Germany.

I told Vice President Haldenwang that Turkish judges convicted FETÖ members of being involved in the failed coup attempt and that the court hearings revealed evidences that FETÖ was behind the 15 July 2016 coup attempt. Vice President Haldenwang answered that judicial proceedings in Turkey are not reliable to him. He was questioning the independence of justice in Turkey.

Billboards slander President Erdoğan in Berlin

During the Three-day state visit of President Recep Tayyip Erdoğan to Germany, an advertising campaign was harassing the Turkish President.

Alongside the route of his convoy, billboards display the face of President Erdoğan associated with the Nazi salute also known as the Hitler salute.

The use of this salute „Sieg heil!“ („Hail victory!“) is prohibited by criminal law in Germany. This may be one reason why the billboard says „Zieg geil!“ instead of „Sieg heil!“. The main reason of using the „Zieg geil!“ may be its offensive nature.

Translated into English „Zieg geil!“ means „Goat horny!“. Translated into Turkish it means „Keçi azgın“.

„Zieg geil!“ is printed in Tannenberg Fett font. This typography was designed by Erich Meyer in 1933 when Adolf Hitler’s seizure of power took place.

Hitler killed more than six million Jews. President Erdoğan rescued four million Syrians who are hosted as brothers and sisters by Turkey under his presidency. President Erdoğan also saved another three million Syrians in İdlib province by establishing a buffer zone.

All in all, President Erdoğan rescued seven million Syrians and Hitler killed six millions Jews. This is just the biggest difference between President Erdoğan and Hitler. There are many more.

By no means it is admissible to compare or to equalize Adolf Hitler and President Erdoğan. Hitler committed crimes against humanity and war crimes. President Erdoğan fights the war on terror as well as the war on racism and on discrimination and outlawing.

Other billboards alongside the main boulevards of Berlin show President Erdoğan behind a no sign with a red colored circle-backslash symbol. This offensive billboard is slandering President Erdoğan by saying „Erdoğan not welcome“. The billboard also calls on people to join anti-Erdoğan rallies in Berlin on 28 September and in Cologne 29 September.

The billboards which are harassing President Erdoğan are operated by Wall GmbH, an international advertising corporation based in Berlin.

According to media reports, Hans Wall, the founder of Wall GmbH, is a member and donor of Germany’s far right anti-Muslims party AFD (Almanya için Alternatif).

Wall GmbH has a subsidiary in Turkey: the Wall Anonim Şirket in İstanbul.

Ömer Bilgiseven is the CEO of the Wall Anonim Şirket in İstanbul. In February 2018 Mr Bilgiseven was arrested for blackmailing. A media report arouses suspicion that Mr Bilgiseven might have links to the FETÖ terror organisation (Fethullahçı Terör Örgütü).

Update: Wall GmbH said on Twitter after the publications of this article: „The Posters were put in illegally and we are removing them.“ Link to the Tweet: https://twitter.com/wallgmbh/status/1046454555645530112

After this Tweet, I spoke to a law enforcement officer who is dealing with this criminal case. He told me that around 50 billboards slander President Erdoğan by displaying the posters. These billboards are now considered as crime scenes after I published my research at my social media channels.

When I went to another billboard in order to document the offensive against President Erdoğan, a police car drove into my film recording and three police men came into my direction. I published the incident on my YouTube channel:

Photo gallery:

DİTİB Fatih Mosque Chemnitz

Ditib lebt Integration

Mit einer Ansprache hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan die Ditib-Zentralmoschee in Köln offiziell eröffnet. In seiner Rede befürwortete Präsident Erdoğan eine gleichberechtigte Integration in Deutschland und die Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft. So werde das Wir-Gefühl und die Verbundenheit zwischen den Völkern gestärkt. Bereits gestern zitierte Präsident Erdoğan während seiner Rede zum Staatsbankett im Schloss Bellevue Otto von Bismarck:

„Die Liebe der Türken und Deutschen zueinander ist so alt, daß sie niemals zerbrechen wird.“

Man kann Recep Tayyip Erdoğan nicht dankbar genug dafür sein, wie er sich unermüdlich für die deutsch-türkische Freundschaft einsetzt!

Der türkische Präsident forderte, daß Islamophobie und Rassismus effektiv bekämpft werden müssen. Er betonte, daß er die Ausgrenzung von İlkay Gündoğan und Mesut Özil nicht akzeptiere. Die Sportler wurden von weiten Teilen der Bevölkerung ausgegrenzt, nachdem sich Erdoğan mit ihnen traf.

Sein Deutschlandbesuch sei wunderbar und erfolgreich gewesen, sagte Präsident Erdoğan zu geladenen Gästen vor der Moschee. In den Straßen um die Moschee feierten Tausende die Eröffnung.

In den Straßen um die Moschee feierten Tausende die Eröffnung.

 

Weitere Fotos von Martin Lejeune zur Ditib in Deutschland:

Ditib has enabled us to meet

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Armin Laschet, der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, boykottieren die Eröffnungsfeier. Laut Medienberichten nahmen an der Eröffnungsfeier keine Deutschen teil.

Ich verstehe diese Abkapselung in Anbetracht der öffentlichen Meinung in Deutschland.

Ich habe schon viele Staatsbesuche erlebt in den Jahren, in denen ich in Berlin wohne. Zum Beispiel Staatsbesuche von Obama, Putin, Sissi oder Netanyahu – allesamt umstrittene Staatsoberhäupter. Aber ich habe noch niemals einen Staatsbesuch erlebt, bei dem der Staatsgast so unerwünscht war wie bei dem derzeitigen Staatsbesuch von Präsident Erdoğan.

Ich habe auch nach tagelangem Suchen keine deutschsprachigen Schlagzeilen von in Deutschland erscheinenden Medien gefunden, die den Staatsbesuch von Präsident Erdoğan wohlwollend reflektierten.

Zwei Beispiele:

»Mit der Einweihung der neuen DITIB-Moschee in Köln durch den türkischen Präsidenten Erdoğan wird politischem Islam und türkischem Nationalismus der Weg in die deutsche Gesellschaft bereitet« (Deutsche Welle, 26.09.2018)

»Erdoğans Kaserne und seine Soldaten – mitten In Köln. Wie die Unterwerfung einer Stadt gefeiert wird.« (Tichys Einblick über die Zentralmoschee, 27.09.2018)

Ditib versorgt mit ihren ca. tausend Moscheen in Deutschland die Muslime mit Orten zum Beten. Das ist eine gemeinnützige Wohltat, die Respekt verdient. Keine andere Organisation stellt den Muslimen in Deutschland so viele Moscheen zur Verfügung wie die Ditib. Durch diese Tatsache erhält die Ditib ihre herausragende Stellung.

Diese herausragende Stellung der Ditib als Dienstleister der Muslime und als soziale Einrichtung wird nicht anerkannt in Deutschland. Weder von der Gesellschaft, noch von der Politik oder von Seiten der Medien.

Die Eröffnung der Zentralmoschee als größte Moschee Deutschlands unterstreicht die herausragende Stellung der Ditib noch einmal. Umso größer wirkt der Kontrast zwischen Ditibs Stellung und dem Boykott deutscher Persönlichkeiten an der Eröffnungsfeier der Zentralmoschee.

Vor einigen Tagen wurden ein Bruder und ich in eine Ditib Moschee in Chemnitz eingeladen. Wir fühlten uns sehr willkommen. Die Menschen in der Ditib Moschee in Chemnitz haben uns in ihr Herz aufgenommen. Es war eine Begegnung der deutsch-türkischen Freundschaft.

Am Freitag hörte ich die Predigt in einer Ditib Moschee in Berlin. Sie wurde ins Deutsche übersetzt, so daß ich alles verstehen konnte, was der Hoca predigte. Mehr kann man auf Deutsche nicht zugehen wie die Ditib!

Zu der Eröffnungsfeier ihrer Zentralmoschee hat die Ditib auf ihrer Facebook-Seite all ihre deutschen Freunde eingeladen. Dort hieß es wortwörtlich:

»Alle unsere deutschen und türkischen Freundinnen und Freunde sind herzlich eingeladen.«

Wenn das keine gelebte Integration ist, was dann?

Nidal-Wandbild übermalt

Neuköllns Jugendstadtrat Falko Liecke fordert Mitte September 2018, palästinensischen und anderen arabischen Familien in Berlin die Kinder wegzunehmen: „Nehmt den Clans die Kinder weg!“ (Titelseite der B.Z.)

Das Wandbild von Nidal in Berlin Neukölln wurde übermalt. Von rechts nach links übermalten zwei Personen in weißen Anzügen das Wandbild von Nidal im Beisein des stellvertretenden Neuköllner Bezirksbürgermeisters Falko Liecke (CDU).

Sollte Nidal durch das Übermalen seines Bildes aus dem öffentlichen Gedächtnis gelöscht werden? Wollen Politiker verhindern, daß seiner gedenkt wird, weil es um einen Palästinenser geht? Mußte das Wandbild weg, weil Nidal darauf eine Kufiyeh trägt? Die Kufiyeh, das sogenannte Palästinenser-Tuch, wurde zum internationalen Symbol der Solidarität mit dem nationalen Befreiungskampf der Palästinenser.

„Es hatte ja schon Ausmaße einer Glorifizierung. Und eine Glorifizierung eines Intensivtäters halte ich nicht für angemessen“, kommentiert Martin Hikel, Neuköllner Bezirksbürgermeister die Übermalung des Nidal-Wandbildes live im Fernsehsender WELT.

Martin Heikel, Neuköllner Bezirksbürgermeister, posiert vor dem Nidal-Wandbild im Studio des Fernsehsenders WELT.

Die schwereren Straftaten von Nidal liegen bereits viele Jahre zurück.

Man kann unterschiedlicher Meinung sein, ob das Wandbild von Nidal hätte gemalt werden sollen. Wo es nun schon einmal da war, hätten Politiker es nicht unbedingt wieder übermalen lassen müssen. So wie es übermalt wurde – heimlich, in aller Frühe, undemokratisch – erinnert es an eine Handlung bei Nacht und Nebel. Das Übermalen des Nidel-Wandbildes ist ein Angriff auf die Kunstfreiheit.

„Das Bild ist Geschichte“, feiert der stellvertretende Bürgermeister Liecke seinen politischen Erfolg. Er wertet das Übermalen des Wandbildes von Nidal als „klare Ansage an kriminelle Banden“ in Berlin. Damit soll eine „weitere Stilisierung des Verbrechers“ verhindert werden.

Alle kannten Nidals Sünden. Nur wenige kannten seine Reue.

Nidal war nicht Teil des organisierten Verbrechens. Er gehörte keiner kriminellen Struktur an. Nidal ist mit keiner „Bande“ oder „Clan“ verwandt gewesen!

Eine Lüge wird nicht zur Wahrheit, auch wenn sie tausendmal wiederholt wird.

Die Wand solle nun von Kindern aus einer Neuköllner Jugendeinrichtung neu gestaltet werden. Was sollen die Kinder im Auftrage des stellvertretenden Neuköllner Bezirksbürgermeisters jetzt an die Wand malen?

Wurden die Kinder denn überhaupt schon gefragt, ob sie dort überhaupt etwas (anderes) hinmalen wollen?

Und seit wann gibt es Graffiti-Aufträge von Seiten der Politiker? An Kinder? Diese Politiker benutzen die Kinder! Das alles erinnert mich an die Zustände in der DDR, in der die Politiker den Künstler befahlen, was sie zu malen haben: „Ihr malt jetzt ein Bild von Karl Marx an diese Wand!“ Ist das demokratisch?

Wie äußert sich Falko Liecke auf seiner Facebook-Seite zum Nidal-Wandbild?

„Jedenfalls eine der zwei angrenzenden Jugendeinrichtungen erfährt seit dem Tötungsdelikt zum Nachteil von Nidal R. und umso mehr seit der Anbringung des Wandbildes Auseinandersetzungen zwischen dort aufhältigen Jugendlichen. Nach eigenen Angaben der Jugendeinrichtung sind diese Debatte und daraus resultierende Konflikte ‚ein herber Schlag‘ für die Arbeit mit den oft bereits selbst strafrechtlich vorbelasteten Jugendlichen. Die vor Ort eingesetzten Sozialarbeiter haben bereits über eine zeitweilige Schließung ihrer Einrichtung nachgedacht. Jedenfalls am 18. September wurden die Jugendlichen gebeten, die Einrichtung nicht aufzusuchen.“

Hierzu möchte ich anmerken: Die Jugendeinrichtung hat geschlossen, um die Jugendlichen vor den aggressiv auftretenden Medien zu schützen. Journalisten werden übergriffig gegenüber Jugendlichen, denen sie bei der Jugendeinrichtung vor dem Wandbild auflauern.

Und von einem „Tötungsdelikt zum Nachteil von Nidal“ zu schreiben, ist schon sehr nüchtern ausgedrückt für die Tatsache, daß Nidal von zahlreichen Kugeln zerfetzt wurde vor den Augen seiner Ehefrau und seines Sohnes.

Zu den Politikern und Medien, die behaupten, daß das Wandbild von Nidal übermalt werde, um keinen „Wallfahrtsort“ entstehen zu lassen. Ein Bild an einem Ort ist ja noch lange kein „Wallfahrtsort“. Laut Duden ist eine Wallfahrt eine aus verschiedenen religiösen Motiven unternommene Fahrt, Wanderung zu einem Wallfahrtsort, einer heiligen Stätte.

Lourdes ist z. B. ein Wallfahrtsort, Kerbela und Jerusalem sind Wallfahrtsorte. Einen Ort, an dem sich ein Bild befindet, welches einem nicht gefällt, als „Wallfahrtsort“ zu bezeichnen, würdigt alle religiösen Anhänger von Wallfahrtsorten herab. Ein Wallfahrtsort wird auch nicht wegen Bildern zum Wallfahrtsort, der Gebrauch des Wortes „Wallfahrtsort“ ist hier vollkommen unangemessen.

Auf dem Marktplatz der vielen Botschaften

Wir fahren als muslimische Beobachter der sozialen Situation und der politischen Veränderungen nach Köthen, um vor Ort Informationen aus erster Hand zu erhalten.

Imperial Eagle & Black Sun (a symbol employed by the SS during the Nazi era, and in this post-Third Reich context by neo-Nazis)

Wir wollen einen authentischen O-Ton einfangen in Zeiten der „Fake news“. Was als Informationen sammeln gedacht war, endet in einem Angriff auf uns. Ein Angriff, der nicht repräsentativ ist für die Bürger und Besucher Köthens.

Unsere Ankunft in Köthen beginnt mit der Suche nach der verlorenen Moschee. Wir gaben aus Westberlin kommend in unserem Navi als Ziel „Moschee in Köthen“ ein und bekamen von Google die „Türkisch-Islamische Gemeinde Köthen e.V.“ in der Baasdorfer Straße als Ziel unserer Route angezeigt.

Als uns das Navi sagte: „Sie haben Ihr Ziel erreicht“, wollten wir in der Köthener Moschee das Mittagsgebet verrichten. Doch an der im Navi angezeigten Adresse der „Türkisch-Islamischen Gemeinde Köthen e.V.“ stand ein Wohnhaus und keine Moschee.

Interessiert beobachtete unsere Suche ein Senior, der sich aus dem Fenster seiner Wohnung lehnte. Er stellte sich uns als Hausmeister Krause vor, der ehrenamtlich mit Studierenden und Bürgern aus aller Welt gearbeitet habe. Er antworte sehr freundlich auf unsere Frage, wo die Moschee sei: „So was gibt es hier nicht.“

Im nächsten Moment kreuzten zwei Zeitungsausträger unseren Weg. Auch sie kamen gern mit uns ins Gespräch, kannten jedoch ebenfalls keine Moschee im Ort. Offensichtlich sind die Köthener sehr freundlich und auskunftsbereit.

Geschäfte, die sonst am Sonntag geöffnet sein sollen, waren an diesem Sonntag, dem 16. geschlossen.

Es waren zur Mittagszeit nur vereinzelt Menschen auf den Straßen der Innenstraßen anzutreffen. Wir fragten beharrlich die  Köthener, die uns begegneten, nach dem Weg zur nächsten Moschee.

Weil auch niemand anderes von den freundlichen Passanten eine Moschee kannte, beteten wir auf dem Parkplatz hinter dem Marktplatz. Wir beteten unter Polizeischutz. Ständig kamen Polizisten an uns vorbei. Wir fühlten uns sehr sicher.

Auch Christen standen an diesem Sonntage in Köthen im Gebet und baten den Herrn um dieselbe Sache. Nicht nur in der an jedem Sonntagvormittage stattfindenden Messe, sondern auch in einem zusätzlichen für diesen Tag einberufen Friedensgebet am Nachmittag. Wir fanden in der Jakobskirche am Marktplatz eine aktive christliche Gemeinde vor, die für den Frieden betete und eine Schar weißer Tauben in den Himmel entsandte. 

Die Christen von Köthen nahmen uns freundlich auf. Wir fühlten uns willkommen und sicher.

Um 17.30 Uhr begann die Demonstration „Getötet, verleugnet, vergessen, wie oft noch?“ veranstaltet von einem Bündnis aus „Zukunft Heimat“, „Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (PEGIDA), „Ein Prozent“, „Kandel ist überall“ und „Compact“ (eine Zeitschrift).

Wir begegnen Sven Liebig aus Halle an der Saale. Er ist ein gesprächsbereiter und engagierter Mensch. Er trägt ein rotes T-Shirt mit der Aufschrift „JE SUIS CHEMNITZ“ und hält in beiden Händen zwei Stangen, zwischen denen ein grosses Transparent gespannt ist.

Auf der einen Seite des Transparents steht: „KAUFT KEINE Lügen Presse!“. Auf der anderen Seite: „WIR SIND CHEMNITZ! WIR WOLLEN KEINE MESSERMÄNNER!“ Mit einem Messer In Chemnitz wurde vor drei Wochen ein Mann erstochen – daraufhin kam es zu Hetzjagden. Herr Liebig gibt uns ein Interview. Herr Liebig hat eine Position. Er weiß, was er will und kann dies selbstbewußt vermitteln. Er sagt: „Ich kenne einen friedlichen Muslim.“

Neben Herrn Liebig treffen wir einen Mann, auf dessen gelbem T-Shirt die Aufschrift steht: „Abschiebeflieger. Anatolien Airlines. Eure Heimat wartet schon …und Tschüß.“ In seiner Hand hält er ein Blatt Papier mit der Botschaft: „WER GLAUBT DENN AN DEN WEIHNACHTSMANN VON WEGEN HERZINFAKT !!! KRIMINELLE AUSLÄNDER SOFORT RAUS !!!“ Presseberichten nach starb in Köthen vor einer Woche ein junger Mann an einem Herzinfarkt, nachdem er sich auf einem Spielplatz gestritten habe. Es kam zu spontanen Märschen.

Ein Mann, auf dessen schwarzem T-Shirt „Deutschland“ steht, hält uns ein Schild entgegen mit der Aufschrift „Migranten, verpisst euch, nehmt Merkel mit, eure Moscheen, eure Messer und Dönerbuden! Kommt niemals wieder und lasst uns in Ruhe! DAS DEUTSCHE VOLK“ .

Während der politischen Reden und überzeugenden „Merkel muss weg!“-Rufen gingen wir durch die Versammlung und sprachen mit weiteren Teilnehmern. Ein stolzer Patriot mit Deutschlandfahne in der Hand sagte zu uns: „Wir wollen hier keine Muslime. Deutschland den Deutschen!“ – Wir sagten ihm: „Wir sind Deutsche. Wir sind Muslime. Wir wollen wie Sie in Frieden und Sicherheit in Deutschland leben.“

Währenddessen hat eine Gruppe Männer auf dem Marktplatz ein circa 15 Meter breites Banner mit der Forderung „Remigration!“ gespannt.

Ein „Merkel muss Weg!“-Rufer hält ein grünes Schild. Darauf steht: „Massenzuwanderung ist Völkermord“.

Ein Mann hält in seiner Hand eine schwarze Fahne mit den Worten „Islamists not welcome. Stay back or we’ll kick you back.“ Dazu befragen wir ihn. Der Mann antwortet, daß er kein Englisch spreche.

Wir übersetzen ihm den Fahnenaufdruck ins Deutsche: „Das heißt ‚Islamisten nicht willkommen. Bleibt zurück oder wir treten euch zurück‘“. Der Mann erklärt: „Das ist eine Fahne, die hat die Identitäre Bewegung ausgegeben. Die hat mein Sohn über das Internet bestellt.“

Wir möchten von ihm wissen: „Was heißt für Sie Islamist?“ – Er antwortet: „Das sind die Kämpfer, das sind die aktiven Kämpfer. Die mit der Maschinenpistole.“

Bevor wir mit ihm weitersprechen können, kommt eine Gruppe Männer auf uns zu. Einer schnauzt uns an: „Ey was bist Du denn für ein Wichser! Ey verpiss Dich, Alter! Geh weiter! Willst Du was auf die Fresse?“

Das ist ja wie damals im Buddelkasten im Kindergarten, wo einer von den bösen Jungs auf Dich zukam, während du Sandkuchen gebacken hast und sich gefragt hat, wie er dich jetzt fertig machen kann.

Dieser Herr, der uns da so wenig charmant adressiert, ist anscheinend gar nicht interessiert an unserer Dialogbereitschaft und wohlmöglich sogar kontraproduktiv in eigener Sache.

Wenn die Versammlungsteilnehmer weitere Bürger für ihre Sache gewinnen wollen, dann sollten sie doch nicht interessierte Bürger vertreiben. Diese Vierergruppe hat uns vergrault mit ihrem aggressivem Verhalten. Da wollte offenbar jemand einen Streit vom Zaum brechen.

Das Verhalten dieser Randgruppe steht im Widerspruch zur Verlautbarung des Veranstalters der 17:30 Uhr-Kundgebung, der sich gegen Gewalt aussprach.

Daran hält sich der Wortführer der Vierergruppe nicht und fordert: „Ey geht weiter! Lass doch den Mann zufrieden!“

Da kommen Muslime zum Fahnenträger, die von Frechdachsen bedroht werden, obwohl sie in guter Absicht kamen. Der Fahnenträger steht auf der falschen Seite, hat es aber noch nicht gemerkt. Oder doch? Vielleicht wird er die schwarze Fahne in Zukunft nicht mehr tragen.

Diese Vierergruppe, die unser Interview mit dem Fahnenträger stört, möchte jeglichen Dialog verhindern.

Der Krieger des Schatten möchte unsere Dialogarbeit, das kleine Licht in der Dunkelheit der Islamfeindlichkeit, auslöschen.

„Du sollst Dich verpissen! Du sollst aufhören zu atmen, Du Salafistenschwein!“, faucht der Krieger des Schattens uns an.

Weshalb sehen sie uns als Feinde?, fragen wir uns. Die Antwort ist klar. Der Krieger des Schatten sieht sich selber. Er erkennt sich in uns. Das Gegenüber ist ein Spiegel von sich selbst. Erst wenn Du das Schlechte in Dir vollkommen ausgelöscht hast, kannst Du den anderen lieben.

Weil uns die Männer physisch näher kommen, uns auf die Pelle rücken, mit den Händen rumfuchteln und bedrohlich wirken, ziehen wir uns zurück Richtung Polizei.

Da muß man fast auf die Fresse kriegen, um zu erfahren, daß man als Muslim auf so einer Kundgebung nichts zu suchen hat.

Wir beenden unsere Mission mit einem Gebet an der Tankstelle hinter der Ortsausfahrt von Köthen. Wir können dankbar sein, wie Allah uns Dinge lehrt aus einer einzigen Situation.

Was auf dieser Versammlung in Köthen von den Teilnehmern kommuniziert wurde, zeigt mir: „Es besteht eine permanente latente Gefahr für Muslime in Deutschland. Die Gefahr wird regelmäßig akut, siehe Brandanschläge auf Muslime in Solingen und Mölln, die Serie von Mordanschlägen auf Muslime durch den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) und Bombenanschläge auf Moscheen wie in Dresden. 

Die Frage, in wie weit der Staat bei diesen Terroranschlägen seine Finger mit im Spiel hatte, kann so lange nicht geklärt werden, wie entsprechende Dokumente nicht frei gegeben werden. Der Moschee-Bombenattentäter, der vor drei Wochen zu mehreren Jahren Haft verurteilt wurde, war PEGIDA-Aktivist. Gestern sah ich Menschen mit PEGIDA T-Shirts neben den vier Männern stehen, die uns angegriffen haben. Während liberale Intellektuelle im Fernsehen die Frage „Was ist Wahrheit in postfaktischen Zeiten?“ diskutieren, ist für uns Muslime die Gefahr für Leib und Leben real.

Allerdings standen diejenigen, die Hassbotschaften auf dem Marktplatz äußerten, auf Botschaften der Liebe, die von Köthener Bürgern zuvor auf den Asphalt des Marktplatzes gemalt wurden. Und auf demselben Marktplatz standen zwei Stunden zuvor die Christen der Stadt und beteten für den Frieden. Solange sich diese Christen schützend vor die Muslime stellen, erhöht sich die Überlebenschance von Muslimen in Deutschland.

Tausende trauern am Grabe von Nidal Rabih

Gedanken von Martin Lejeune zur Berichterstattung über die Beerdigung eines jungen Berliner Palästinensers, der auf viel zu früh von uns gegangen ist, in dem er auf grausamste Art und Weise ermordet wurde.

Attendance of Thousands at the funeral of Nidal Rabih

Traurig macht mich der Tod des Bruders im Islam Nidal Rabih, der auch viel Gutes in seinem Leben getan hat. Er half den Menschen in Palästina. Er spendete für Gaza.

Fassungslos macht mich der brutale Mordanschlag auf Nidal Rabih, der vor den Augen seiner Frau und Kinder erschossen wurde.

Ich trauere mit den Hinterbliebenen: seiner Ehefrau, die nun Witwe ist und seinen Kindern, die nun Halbwaisen sind.

Die Beerdigung von Nidal Rabih auf dem islamischen Friedhof war würdevoll. Zwei Sheikhs sprachen an seinem Grab. Sheikh Mohamed Taha Sabri predigte auf Arabisch und Sheihkh Ferid Heider hielt eine Andacht auf Deutsch: “Die Blutrache hat der Prophet Muhammad Allahs Lob und Frieden auf ihm während seiner letzten Wallfahrt abgeschafft.“

BILD-Schlagzeile vom 14.09.2018

BZ-Schlagzeile vom 14.09.2018

Sprachlos machen mich die Titelseiten der BZ und BILD vom 14.09.2018, dem Tag nach der Beisetzung. „Deutschlands schlimmste Verbrecher-Beerdigung“ titelt BILD. „Die Unterwelt in Trauer“ lautet die Schlagzeile der BZ.

Auf Nidals Beerdigung waren die Witwe und Waisen, seine Brüder und Schwestern, Cousins und Cousinen. Tausende Verwandte, Angehörige, Freunde, Wegbegleiter und weitere Hinterbliebene. Wie unmenschlich ist es, all diese Tausenden von Menschen, die zu Nidals Beerdigung kamen, als „Verbrecher“ (BILD) und als „Unterwelt“ (BZ) zu bezeichnen.

Da stirbt ein Menschen, nein: da wird ein Mensch auf brutalste Weise ermordet vor den Augen seiner Frau und Kinder. Und über seine Beerdigung, die friedlich, still und würdevoll von zwei der wunderbarsten Sheikhs der Stadt begleitet wurde, schreiben die zwei größten Zeitungen Berlins so unmenschlich!

Was ich Journalisten von der BZ und BILD sagen möchte:

Eure Schlagzeilen sind Schläge ins Gesicht der Hinterbliebenen.

Eure Schlagzeilen sind Anschläge auf die Würde der Trauernden.

Wie herzlos muss man sein, um so etwas zu drucken?

Wenn ein Muslim und Palästinenser wie Nidal Rabih stirbt, dann bringen BILD und BZ  würdelose „Fake news“-Schlagzeilen wie heute. Ist das Muslimenfeindlich? Palästinenserfeindlich? Es ist diskriminierend und rassistisch gegenüber den Menschen, die gestern bei der Beerdigung waren.

Möge Allah der Seele von Nidal gnädig sein, ihm für seine guten Taten einen Platz im Paradies schenken und den Journalisten der BILD und BZ ihre Sünden verzeihen.

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