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„Social is dancing statt social distancing“

Interview mit Adam Nümm, der am Sonntag unter dem Titel „Social is dancing statt social distancing“ seine dritte Tanzdemonstration veranstaltete.

Tanzen ist eine politische Veranstaltung, denn in Zeiten von Lockdown und Eindämmungsmaßnahmen ist das Tanzbeinschwingen politisch geworden.

Die politischen Tanzdemonstrationen von Nümm haben einen meinungsbildenden Charakter durch die Redebeiträge, die der politischen Willensbildung des Volkes dienen und keinen klar abgegrenzten Empfängerhorizont haben, sondern sich an alle Bürger richten, die sich in Hörweite befinden.

Am Sonntag sprach Nümm über die Kontrolle der Wirtschaft und forderte Transparenz.

Im Interview erläutert der Polit-Musikkünstler Adam Nümm das Konzept und die Hintergründe seiner politischen Rave-Veranstaltungen.

Machst Du diese Tanzdemos ganz allein oder bist Du Teil einer Gruppe?

Adam Nümm: Ich mache das nicht alleine. Da sind viele Menschen im Hintergrund, die sich während Corona „gefunden“ haben, die das ganze entscheidend mittragen. Dafür bin ich von Herzen dankbar.

Was ist Deine Motivation?

Adam Nümm: Mir ist es ein Bedürfnis darauf aufmerksam zu machen, dass man gewisse kulturelle Rituale nicht einfach streichen bzw. digitalisieren darf. Wenn Menschen zum Tanzen zusammen kommen, um sich miteinander zu verbinden, dann ist das heilig. Das bedeutet Freude, Verbundenheit, Heilung. Ich bin nicht überzeugt, dass das alles aufgrund einer behaupteten Gefahr auf Eis liegen sollte, das wird meiner Lebensauffassung nicht gerecht. Auch wenn es eine gewisse Gefahrenlage gibt durch das Virus – es gibt, wenn man so möchte, permanent Gefahrenlagen im Leben und als mündiger Bürger möchte ich selbst entscheiden, wie ich damit umgehe. 

Ich glaube, niemand möchte in einer Gesellschaft Leben, in der Umarmungen geächtet werden.

Was sagst Du zu diesem Demo-Wochenende, an dem mit der „Black Lives Matter“-Kundgebung erstmals wieder eine größere Versammlung stattfand seit Beginn der Pandemielage?

Adam Nümm: Das Gute ist: nach den tollen Massendemos gegen Rassismus vom Wochenende begreifen die allermeisten Menschen, dass Demonstrationen in einer Demokratie immer legitim sind. Man sollte das nicht als Superspreading Event verunglimpfen, wenn Menschen für ihre Überzeugung auf die Straße gehen, egal für was. Wenn das passiert, demontiert sich Demokratie.

Wie könnte man die besondere Form des politischen Protests, die Du machst, bezeichnen?

Adam Nümm: Das was ich mache, könnte man vermutlich am ehesten mit Ecstatic Dance vergleichen, auch wenn es natürlich anders ist. Mehr Rave, weniger Spiri. Es gibt aber Parallelen. Benjamin Crystal hat mich die letzten beiden Jahre in Indien sehr inspiriert. Die verstehen Tanz auch als wichtiges verbindendes Ritual. Finde ich super, was die jetzt dienstags am Brandenburger Tor auf die Beine stellen! Das Video mit dem tanzenden Polizisten war göttlich und hat mir viel Freude bereitet. Solche Bilder sind unbezahlbar und verändern die Welt.

Wie geht es weiter mit Deinem Tanzprotest „Social is dancing statt social distancing“?

Adam Nümm: Es wird weitergehen, aber wie genau, das steht zurzeit noch in den Sternen. Aber anscheinend ist es vielen Menschen ein Bedürfnis, über ein menschenwürdiges Leben zu sprechen und der Verängstigung der vergangenen Wochen mit Selbstbewusstsein zu begegnen und auch in der Krise das Leben zu feiern. Sonst wäre die Resonanz nicht so groß.

Adam, Danke für das Interview.

Von Martin Lejeune

Eine Antwort auf „„Social is dancing statt social distancing““

Social is dancing coole Idee! Geht es weiter??? DIENSTAGS – wo? Oder müssen wir es selber machen, fortsetzen?? Ich habe eine Tochter mit Downsyndrom, die eine begnadete Tänzerin ist. Sie arbeitet im Theater Thikwa, dort gibt es auch ein, zwei tolle Choreographinen. Vll..kann eine Vernetzung hergestellt werden. Ich finde sowieso, dass der Blick auf Menschen mit Beeinträchtigungen in dieser Masken- Zeit viel zu kurz gekommen ist und diese wirklich nicht gesehen werden, – was der Lockdown, Eindämmungsmaßnahmen und, Arbeitszeitverkürzungen,.Maskenzwang etc. . . . grade auch für sie bedeuten. DIE Werkstätten, die lange nicht stattfanden, arbeiten nun unter komplizierten Hygienekonzepten (bis 30.9. 20) noch mit nur 90% der Beschäftigten – die Leute wurden mit Zahlen-Dokus und Ausmalbildern, Rezepten, und Gedichten postalisch bei Laune gehalten . . . Und immer mit den ausgegebenen offiziellen Parolen bearbeitet. Na ja – ich schweife ab. Liebe Grüße, danke für Euer Engagement – und Arbeit!!!

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