4. Polizeieinsatz während des Gedenkens an Nidal Rabih

Heute ist der 40. Todestag des Palästinensers Nidal Rabih, der im Beisein seiner Kinder und Ehefrau durch mehrere Attentäter mit acht Schüssen ermordet wurde. Anstatt mit aller Kraft nach den Tätern zu fahnden, behelligte die Polizei bereits vier Mal die trauernden Hinterbliebenen mit Polizeieinsätzen.

Thousands attend funeral of Nidal Rabih

Tatsächlich geschah es heute bereits zum vierten Mal, daß sich Familie Rabih nach Nidals Ermordung durch die Polizei gestört fühlte.

Das erste Mal fühlte sich Familie Rabih gestört durch den großen Polizeieinsatz während Nidals Beerdigung auf dem islamischen Friedhof in Berlin.

Das zweite Mal fühlte sich Familie Rabih gestört durch den Polizeieinsatz während der Übermalung von Nidals Wandbild am Tatort des Attentats.

Das dritte Mal fühlte sich Familie Rabih gestört durch den Polizeieinsatz während ihres Protests gegen die aus ihrer Sicht zu langsam vorankommenden Ermittlungen. Letzten Sonntag blockierte die Polizei für Autos die einzige Straße, die zum Protest führte.

Das vierte Mal fühlte sich Familie Rabih gestört durch den heutigen Polizeieinsatz in der Moschee.

Bei Nidals Vater entsteht der Eindruck, die Polizei respektiere nicht die Trauer um seinen Sohn.

Nidals Vater Mahmud sagte heute zu den Polizisten: „Ich habe meinen Sohn verloren! Suchen Sie die Mörder meines Sohnes anstatt unser Gedenken an den Toten zu stören!“

Vor der Moschee standen weitere Polizisten, die von Mahmud Rabih kritisiert wurden für die noch nicht durchgeführte Verhaftung der Mörder.

Die Familie Rabih machte nichts anderes in der Moschee als gemeinsam das Nachmittagsgebet und verrichten und aus dem Edlen Quran zu lesen. Nichts anderes wurde getan in dieser Moschee.

Nidals Vater Mahmud saß neben einem Sheikh, der die Surah Al-Baqarah las und als mit den Trauernden die Bittgebete für Nidals Seelenheil sprach. Dann kamen zwei Polizisten in die Moschee und verlangten nach dem Sheikh. Weitere Polizisten waren vor der Moschee im Einsatz.

Die Polizisten in der Moschee fragten, ob für dieses Toten-Gedenken eine Genehmigung vorliege?

Seit wann brauchen Muslime für das Verrichten des Gebets und für das Lesen des Qurans eine Genehmigung? Seit wann kontrolliert die Polizei in einer Moschee?

Die Moschee ist ein Ort des Glaubens. An diesem Ort sollen Muslime ungestört ihren Glauben leben.

Respekt vor dem Glauben erwarte ich auch von der Polizei. Die Polizei soll die Religionsfreiheit schützen und nicht verletzen.

Lesen Sie auch meine anderen Artikel, die ich über Nidal Rabih geschrieben habe:

Gerechtigkeit für Nidal Rabih

Nidal-Wandbild übermalt

Tausende trauern am Grabe von Nidal Rabih

Neuköllner Bürgermeister unterdrückt Journalisten

Gerechtigkeit für Nidal Rabih

Fast vierzig Tage ist es her, daß Nidal Rabih durch mehrere Schüsse hinterhältig ermordet wurde und noch immer hat die Polizei die Mörder nicht verhaftet. Vierzig Tage, so lange dauert im Islam die Trauer der Hinterbliebenen. Aus diesem Anlass protestierte die Familie von Nidal Rabih am Sonntag Nachmittag am Tatort des Mordes friedlich gegen die Polizei, die sich von Seiten der Familie Rabih schwere Vorwürfe gefallen lassen muss.

Mahmoud Rabih, der Vater von Nidal, gab mir am Sonntag ein exklusives Interview. Doch zunächst möchte ich der Frage nachgehen, die sich ganz Berlin, ja sogar ganz Deutschland stellt, nach den unzähligen Berichten über Nidals Ermordung und seine Beerdigung in den Zeitungen und TV-Sendern. Diese Frage lautet: Wer war Nidal?

Attendance of Thousands at the funeral of Nidal Rabih

Nidal war ein fürsorglicher Vater von zwei Kindern, stark wie Löwen. Nidals Kinder bezeugen, das er ein guter Vater war.

Nidal war hilfsbereit gegenüber jedem, der Hilfe brauchte. Wer hungrig war und zu Nidal kam und ihm sagte, daß er kein Geld habe, um sich Essen zu kaufen, dem gab Nidal Geld aus seiner eigenen Tasche.

Nidal deckte seinen Tisch für jeden, der Hunger hatte. Nidal war der Vater der Armen. Und auch den Menschen in Palästina spendete er sein Geld. Die Medien, die Nidal in Verbindung setzen mit Gangster-Filmen und Serien wie „4 Blocks“, diese Medien frage ich: Weshalb bringt ihr Nidal nicht mit Robin Hood in Verbindung? Oder mit einem Armenvater?

Nidal war auch ein Schlichter, der den Streit zwischen den Menschen schlichtete.

Und Nidal war jemand, der sich mit allen gut verstand. All diese guten Eigenschaften von Nidal und seine guten Taten, die ihm einen Platz im Paradies geben mögen, werden verdeckt von unzähligen Medien-Berichten, die nur Schlechtes über Nidal berichten. Das hat Nidal nicht verdient, daß die meisten Medien nur Negatives über ihn berichten. Er war nicht derjenige, der 50 Millionen Menschen ermordete. Nidal war kein Mörder.

Nidal machte Fehler in seinem Leben, aber nach seinem Tod hat niemand das Recht, ihn negativ darzustellen. Nidal gehörte nicht zu einem kriminellen Clan, wie immer wieder falsch berichtet wird. Nidal hat es nicht verdient ermordet zu werden. So etwas Schreckliches hat kein Mensch verdient.

Nidal verdient Gerechtigkeit. Seine Mörder sollen ihre gerechte Strafe bekommen. Doch dafür ist es erforderlich, daß die Polizei zunächst die Mörder verhaftet. Weil in dieser Richtung aus Sicht der Familie Rabih nicht genügend getan wird, versammelte sich die Familie am Sonntag am Tatort um gegen die Polizei zu protestieren.

„Wie können die Mörder noch frei sein?“, fragt Mahmud Rabih, der Vater. „Die Polizei weiß, wer sie sind. Sie ermordeten Nidal ohne Masken. Sie gingen entspannt weg vom Tatort. Es gibt Fotos und Videos von den Mördern. Bis heute hat die Polizei sich nicht geäußert zu den Fotos, die von den Mördern veröffentlicht wurden“, klagt Mahmud Rabih.

Er nennt die Ermordung eine „feige Tat“, Nidal vor den Augen seiner Kinder, Frau, Schwestern und Brüder zu ermorden. Nidals Vater fragt: „Wo bleibt die Menschlichkeit?“

Mahmud Rabih erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei, die ihre Arbeit nicht ordnungsgemäß verrichte und in diesem Falle nicht gewißenhaft ermittle. 

Der Vater habe das Gefühl, Täter und Polizei stecken unter einer Decke. „Niemand von der Polizei kam bisher zu mir und erklärte mir, was los ist. Ich bin der Vater. Ich habe ein Recht darauf, zu erfahren, was los ist und was die Polizei tut“, kritisiert Mahmud.

„Wir fühlen uns von der Polizei im Stich gelassen“, spricht der Vater im Namen der Familie Rabih. „Wir haben das Gefühl, von der Polizei hintergangen zu werden.“ Er habe das Gefühl, das von Seiten der Polizei zugunsten der Täter gehandelt werde und nicht zugunsten des Opfers.

Auch beklagt Mahmud, daß sich die Polizei etwa zwanzig Minuten Zeit gelassen habe, bis sie am Tatort nach der Tatzeit eingeschritten sei. Der Vater wirft der Polizei unterlassene Hilfeleistung vor zum Nachteil von Nidal.

Mahmud kritisiert auch den Polizeieinsatz während der Übermalung von Nidals Wandbild am Tatort: „Wie können sie sich so viel Zeit nehmen, um das Bild von Nidal wegzumachen anstatt in dieser Zeit die Mörder zu ermitteln?“

Der Vater richtet direkte Fragen an die Polizei: „Weshalb werden die Fahndungsbilder der Täter nicht veröffentlicht? Und weshalb bezieht die Polizei keine Stellung zu den Fotos der Täter, die Hinterbliebene im Internet veröffentlicht haben?“

Außerdem beklagt der Vater, die Polizei habe Nidal keinen Schutz angeboten, als sie ihn zwei Tage vor seiner Ermordung über seine Gefährdung informiert habe. Auch hier lautet der Vorwurf gegen die Polizei unterlassene Hilfeleistung.

Zudem sei während der Beerdigung von Nidal einigen Trauergästen der Zugang zum Friedhof erschwert worden durch die Polizei, sagt der Vater.

Auch während die Familie Rabih am Sonntag nachmittag am Tatort bei strahlendem Sonnenschein friedlich gegen die Polizei protestierte, hat die Polizei eine Zufahrtsstraße zum Tatort blockiert. „Um den Zugang zum Tatort für Teilnehmer des Protests zu erschweren?“, fragt sich der Vater.

Ich bin als Journalist verpflichtet, auch die Polizei nach ihrer Sicht der Dinge zu befragen. Doch bisher habe ich auf meine Fragen an die Polizei keine Antworten erhalten. Sollte ich zukünftig noch eine Antwort von der Polizei erhalten, so werde ich diese Antwort in einem Update dieses Artikels an dieser Stelle wiedergeben.

Mein Bericht über die Beerdigung von Nidal:

Tausende trauern am Grabe von Nidal Rabih

Zur Übermalung des Bildes von Nidal:

Nidal-Wandbild übermalt

Und wie der Bürgermeister auf meine Berichte reagiert:

Neuköllner Bürgermeister unterdrückt Journalisten

Mahmud, der Vater von Nidal, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei.

Nidal-Wandbild übermalt

Neuköllns Jugendstadtrat Falko Liecke fordert Mitte September 2018, palästinensischen und anderen arabischen Familien in Berlin die Kinder wegzunehmen: „Nehmt den Clans die Kinder weg!“ (Titelseite der B.Z.)

Das Wandbild von Nidal in Berlin Neukölln wurde übermalt. Von rechts nach links übermalten zwei Personen in weißen Anzügen das Wandbild von Nidal im Beisein des stellvertretenden Neuköllner Bezirksbürgermeisters Falko Liecke (CDU).

Sollte Nidal durch das Übermalen seines Bildes aus dem öffentlichen Gedächtnis gelöscht werden? Wollen Politiker verhindern, daß seiner gedenkt wird, weil es um einen Palästinenser geht? Mußte das Wandbild weg, weil Nidal darauf eine Kufiyeh trägt? Die Kufiyeh, das sogenannte Palästinenser-Tuch, wurde zum internationalen Symbol der Solidarität mit dem nationalen Befreiungskampf der Palästinenser.

„Es hatte ja schon Ausmaße einer Glorifizierung. Und eine Glorifizierung eines Intensivtäters halte ich nicht für angemessen“, kommentiert Martin Hikel, Neuköllner Bezirksbürgermeister die Übermalung des Nidal-Wandbildes live im Fernsehsender WELT.

Martin Heikel, Neuköllner Bezirksbürgermeister, posiert vor dem Nidal-Wandbild im Studio des Fernsehsenders WELT.

Die schwereren Straftaten von Nidal liegen bereits viele Jahre zurück.

Man kann unterschiedlicher Meinung sein, ob das Wandbild von Nidal hätte gemalt werden sollen. Wo es nun schon einmal da war, hätten Politiker es nicht unbedingt wieder übermalen lassen müssen. So wie es übermalt wurde – heimlich, in aller Frühe, undemokratisch – erinnert es an eine Handlung bei Nacht und Nebel. Das Übermalen des Nidel-Wandbildes ist ein Angriff auf die Kunstfreiheit.

„Das Bild ist Geschichte“, feiert der stellvertretende Bürgermeister Liecke seinen politischen Erfolg. Er wertet das Übermalen des Wandbildes von Nidal als „klare Ansage an kriminelle Banden“ in Berlin. Damit soll eine „weitere Stilisierung des Verbrechers“ verhindert werden.

Alle kannten Nidals Sünden. Nur wenige kannten seine Reue.

Nidal war nicht Teil des organisierten Verbrechens. Er gehörte keiner kriminellen Struktur an. Nidal ist mit keiner „Bande“ oder „Clan“ verwandt gewesen!

Eine Lüge wird nicht zur Wahrheit, auch wenn sie tausendmal wiederholt wird.

Die Wand solle nun von Kindern aus einer Neuköllner Jugendeinrichtung neu gestaltet werden. Was sollen die Kinder im Auftrage des stellvertretenden Neuköllner Bezirksbürgermeisters jetzt an die Wand malen?

Wurden die Kinder denn überhaupt schon gefragt, ob sie dort überhaupt etwas (anderes) hinmalen wollen?

Und seit wann gibt es Graffiti-Aufträge von Seiten der Politiker? An Kinder? Diese Politiker benutzen die Kinder! Das alles erinnert mich an die Zustände in der DDR, in der die Politiker den Künstler befahlen, was sie zu malen haben: „Ihr malt jetzt ein Bild von Karl Marx an diese Wand!“ Ist das demokratisch?

Wie äußert sich Falko Liecke auf seiner Facebook-Seite zum Nidal-Wandbild?

„Jedenfalls eine der zwei angrenzenden Jugendeinrichtungen erfährt seit dem Tötungsdelikt zum Nachteil von Nidal R. und umso mehr seit der Anbringung des Wandbildes Auseinandersetzungen zwischen dort aufhältigen Jugendlichen. Nach eigenen Angaben der Jugendeinrichtung sind diese Debatte und daraus resultierende Konflikte ‚ein herber Schlag‘ für die Arbeit mit den oft bereits selbst strafrechtlich vorbelasteten Jugendlichen. Die vor Ort eingesetzten Sozialarbeiter haben bereits über eine zeitweilige Schließung ihrer Einrichtung nachgedacht. Jedenfalls am 18. September wurden die Jugendlichen gebeten, die Einrichtung nicht aufzusuchen.“

Hierzu möchte ich anmerken: Die Jugendeinrichtung hat geschlossen, um die Jugendlichen vor den aggressiv auftretenden Medien zu schützen. Journalisten werden übergriffig gegenüber Jugendlichen, denen sie bei der Jugendeinrichtung vor dem Wandbild auflauern.

Und von einem „Tötungsdelikt zum Nachteil von Nidal“ zu schreiben, ist schon sehr nüchtern ausgedrückt für die Tatsache, daß Nidal von zahlreichen Kugeln zerfetzt wurde vor den Augen seiner Ehefrau und seines Sohnes.

Zu den Politikern und Medien, die behaupten, daß das Wandbild von Nidal übermalt werde, um keinen „Wallfahrtsort“ entstehen zu lassen. Ein Bild an einem Ort ist ja noch lange kein „Wallfahrtsort“. Laut Duden ist eine Wallfahrt eine aus verschiedenen religiösen Motiven unternommene Fahrt, Wanderung zu einem Wallfahrtsort, einer heiligen Stätte.

Lourdes ist z. B. ein Wallfahrtsort, Kerbela und Jerusalem sind Wallfahrtsorte. Einen Ort, an dem sich ein Bild befindet, welches einem nicht gefällt, als „Wallfahrtsort“ zu bezeichnen, würdigt alle religiösen Anhänger von Wallfahrtsorten herab. Ein Wallfahrtsort wird auch nicht wegen Bildern zum Wallfahrtsort, der Gebrauch des Wortes „Wallfahrtsort“ ist hier vollkommen unangemessen.

Neuköllner Bürgermeister unterdrückt Journalisten

Am frühen Morgen des 20. Septembers warfen mutmaßliche PKK-Unterstützer Steine und Brandsätze auf einen türkischen Bildungsverein im Berliner Bezirk Neukölln.

Der Verein, der auch Koran lehrt, wurde gegen 18 Uhr besucht von Martin Hikel, Bürgermeister von Neukölln. Ich stand auf der Straße vor dem Verein und fotografierte, wie der Bürgermeister auf die zerstörte Fensterscheibe schaute.

Ich habe nicht gestört, nichts gesagt. Ich bin nur dort gestanden auf der Straße und habe das Foto vom Bürgermeister gemacht.

Der Bürgermeister kommt auf mich zu, stellt sich vor mich und schaut auf mich herab. Weder grüßt er mich, noch stellt er sich mir vor. Ich sehe ihn zum ersten Mal in meinem Leben. Ich bin ihm wohl bekannt, der er spricht mich an mit dem Namen meiner Familie.

Er sagt zu mir: “Herr Lejeune, Sie dürfen mich nicht fotografieren und Sie löschen die Fotos, die Sie von mir gemacht haben, sonst verklage ich Sie! ich verachte die Medien, für die Sie arbeiten. Sie gehen jetzt weg von hier. Verlassen Sie den Ort!“

Er spricht diese Worte mit Bestimmtheit und mit der Autorität eines Bürgermeisters.

Der Bürgermeister trägt am Kragen seines Anzugs ein Hoheitszeichen des Landes Berlin, das Wappen des Bezirks Neukölln.

Der Bürgermeister mißbraucht sein öffentliches Amt, um seine persönliche Abneigungen aus seiner geschützten Position gegen einen Journalisten auszuleben, mit dessen Arbeitsweise er nicht einverstanden ist.

Es waren noch andere Journalisten da, die auch fotografiert haben und die nicht angegriffen und ausgegrenzt wurden.

Es ist nicht die Aufgabe eines Bürgermeisters, Journalisten auszuwählen, die ihn fotografieren dürfen und die ihn nicht fotografieren dürfen. Ein Bürgermeister sollte neutral sein gegenüber allen Journalisten, unabhängig davon ob er persönlich deren Arbeit mag oder nicht.

So wie mich der Bürgermeister behandelt, fühle ich mich angegriffen und ausgegrenzt. Ich empfinde das Verhalten des Bürgermeisters als einen Angriff auf die Pressefreiheit.

Der Bürgermeister und ich, wir verfolgen an diesem Ort, an dem er mich angreift und ausgrenzt, dieselben Ziele. Solidarität mit den angegriffenen Türken und Muslimen. Warum sollten wir uns gegenseitig in der Ausübung unserer gelebten Solidarität behindern? Es geht hier eigentlich weder um ihn noch um mich, sondern um die Opfer des Terroranschlags.

Darf ein Bürgermeister, der gegen 18 Uhr einen Tatort auf einer öffentlichen Straße besichtigt, dem Journalisten das Fotografieren verbieten? Wer ist hier im Recht? Der Bürgermeister oder der Journalist?

Während der Bürgermeister mir verboten hat, ihn zu fotografieren, mich aufforderte, meine Fotos zu löschen, mir drohte, mich zu verklagen und mich aufforderte, den Ort zu verlassen, wurde er von Anwesenden gehört. Einer der Anwesenden ist auch Journalist, auch Muslim und schwieg. Soll man sprechen oder schweigen, wenn einem Menschen Unrecht getan wird?

Wo ist der Unterscheid zwischen Martin Lejeune und dem anderen Journalisten, der auch Muslim ist. Das ist eine Ungleichbehandlung, besonders weil seine Kompetenzen nicht so weit gehen, jemanden von der Straße zu verweisen und die Arbeit eines Journalisten zu beenden. Es ist sein Bezirk, aber nicht sein Privatgrundstück.

Man kann, um die Demokratie zu schützen, nicht die Demokratie außer Kraft setzen.

Inshallah achtet der Bürgermeister in Zukunft die Pressefreiheit, die Teil ist unserer freiheitlichen und demokratischen Grundordnung. Gerade in Zeiten, in denen diese freiheitliche und demokratische Grundordnung gefährdet scheint, ist es wichtig, daß öffentliche Amtspersonen wie der Bürgermeister keine Zweifel an ihrer Verfassungstreue entstehen lassen.

Ansonsten könnte der Eindruck entstehen, der Bürgermeister mißbrauche sein Amt für persönliche Neigungen.

Attack against educational association that teaches Quran

Auf die Veröffentlichung der Bilder, die ich vom Bürgermeister machte, verzichte ich aus Gründen des Respekts, nicht aus Angst vor seiner Klage.

Der Bürgermeister tritt regelmäßig im Fernsehen auf und weist auch durch seine öffentlich zugänglichen Einträge in den sozialen Medien auf die TV-Auftritte hin.

Der Bürgermeister präsentiert sich auf Facebook auch im Auto durch ein öffentlich zugängliches Posting. Wer sich als öffentliche Amtsperson und absolute Person der Zeitgeschichte derart exponiert, wird sich vor Gericht relativ wenig Chancen einräumen können, wenn er einen Journalisten und Fotografen verklagt wegen der Veröffentlichung eines Fotos, das ihn mit anderen Journalisten beim Besuch eines Tatorts in seinem Bezirk zeigt.

 

Tausende trauern am Grabe von Nidal Rabih

Gedanken von Martin Lejeune zur Berichterstattung über die Beerdigung eines jungen Berliner Palästinensers, der auf viel zu früh von uns gegangen ist, in dem er auf grausamste Art und Weise ermordet wurde.

Attendance of Thousands at the funeral of Nidal Rabih

Traurig macht mich der Tod des Bruders im Islam Nidal Rabih, der auch viel Gutes in seinem Leben getan hat. Er half den Menschen in Palästina. Er spendete für Gaza.

Fassungslos macht mich der brutale Mordanschlag auf Nidal Rabih, der vor den Augen seiner Frau und Kinder erschossen wurde.

Ich trauere mit den Hinterbliebenen: seiner Ehefrau, die nun Witwe ist und seinen Kindern, die nun Halbwaisen sind.

Die Beerdigung von Nidal Rabih auf dem islamischen Friedhof war würdevoll. Zwei Sheikhs sprachen an seinem Grab. Sheikh Mohamed Taha Sabri predigte auf Arabisch und Sheihkh Ferid Heider hielt eine Andacht auf Deutsch: “Die Blutrache hat der Prophet Muhammad Allahs Lob und Frieden auf ihm während seiner letzten Wallfahrt abgeschafft.“

BILD-Schlagzeile vom 14.09.2018

BZ-Schlagzeile vom 14.09.2018

Sprachlos machen mich die Titelseiten der BZ und BILD vom 14.09.2018, dem Tag nach der Beisetzung. „Deutschlands schlimmste Verbrecher-Beerdigung“ titelt BILD. „Die Unterwelt in Trauer“ lautet die Schlagzeile der BZ.

Auf Nidals Beerdigung waren die Witwe und Waisen, seine Brüder und Schwestern, Cousins und Cousinen. Tausende Verwandte, Angehörige, Freunde, Wegbegleiter und weitere Hinterbliebene. Wie unmenschlich ist es, all diese Tausenden von Menschen, die zu Nidals Beerdigung kamen, als „Verbrecher“ (BILD) und als „Unterwelt“ (BZ) zu bezeichnen.

Da stirbt ein Menschen, nein: da wird ein Mensch auf brutalste Weise ermordet vor den Augen seiner Frau und Kinder. Und über seine Beerdigung, die friedlich, still und würdevoll von zwei der wunderbarsten Sheikhs der Stadt begleitet wurde, schreiben die zwei größten Zeitungen Berlins so unmenschlich!

Was ich Journalisten von der BZ und BILD sagen möchte:

Eure Schlagzeilen sind Schläge ins Gesicht der Hinterbliebenen.

Eure Schlagzeilen sind Anschläge auf die Würde der Trauernden.

Wie herzlos muss man sein, um so etwas zu drucken?

Wenn ein Muslim und Palästinenser wie Nidal Rabih stirbt, dann bringen BILD und BZ  würdelose „Fake news“-Schlagzeilen wie heute. Ist das Muslimenfeindlich? Palästinenserfeindlich? Es ist diskriminierend und rassistisch gegenüber den Menschen, die gestern bei der Beerdigung waren.

Möge Allah der Seele von Nidal gnädig sein, ihm für seine guten Taten einen Platz im Paradies schenken und den Journalisten der BILD und BZ ihre Sünden verzeihen.

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