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Wir Querdenker

Querdenkerinnen demonstrieren am 25.10.2020 in Berlin für „Frieden und Freiheit“ (Foto: Martin Lejeune)

Wir Querdenker: mit den “Reichsbürgern” und ähnlichen Clowns haben wir nichts zu tun, und wollen es auch nicht

Sonntag, 15. November 2020: Ein Treffen in Thüringen: Demokratisch gesinnte Frauen und Männer, die sich als Opposition zu einer ganzen Reihe von Regierungspolitiken verstehen (etwa: einige der Lockdown-Maßnahmen, blinde und nicht zielgerichtete Einschränkungen der Grundrechte, Themen der Sozial- und Wirtschaftspolitik) kommen in einer Kleinstadt in Thüringen zusammen, um über die Themen und nächsten Aktionen der Querdenker-Bewegung zu diskutieren.

Querdenker sind eine grassroots-Bewegung. Es gibt keine Organisation, keinen Vorsitzenden, keine Generalsekretärin, kein Büro. Wer sich engagiert, kennt andere, telefoniert mit ihnen, trifft sich auch mit ihnen. Je breiter die Diskussion, desto erfolgreicher ist die Bewegung. Es gibt nur eine Bedingung: das Grundgesetz, die beste Verfassung, die wir je hatten, gilt buchstabengetreu. Na ja – das ist ja genau einer der Streitpunkte mit der Regierung.

Einige der Aktivisten haben vor ein paar Tagen andere für den heutigen Sonntag zu einer Strategiediskussion in Saalfeld eingeladen: Ins Restaurant “Hacienda Mexicana”.

Da kommt man also um 11 Uhr zusammen, freut sich, andere Aktivisten zu sehen, die man kennt, und die die gleichen Sorgen und Ängste über den Zustand unserer Gesellschaft und die völlig unzureichende Zukunftsplanung der Regierung umtreiben –  man hört, dass Geldsystem, unsere Schulen, die Lage der Wirtschaft diskutiert werden sollen. Den Querdenkern reicht es: die Regierung holpert und stolpert nur noch so dahin. Perspektiven nirgendwo. Statt Handeln serviert man uns Wortblasen.

Und dann passiert folgendes:

Es tritt ein Herr Fitzek auf, bezeichnet sich als “König von Deutschland”. Die “Hacienda Mexicana” ist sein  “Königreich” (kein Scherz, auch nicht Satire, auch nicht Ironie!) und spricht zweieinhalb Stunden lang über teils abstruse Dinge, und teils über wichtige Dinge, aber mit völlig absurden Argumenten (genauer gesagt: gar keinen).

Ein Drittel der Teilnehmer will sich das nicht weiter anhören, und verlässt das Restaurant. Der Rest hofft auf einen vernünftigen und kommunikativen Nachmittag. Dann kommt die Polizei, und löst das unglückliche Häuflein auf. Auflösung? Erlösung!

Natürlich kann ich als beobachtender, aber auch mit der Querdenker-Agenda sympathisierender, Journalist nicht für jeden einzelnen Teilnehmer sprechen – aber die meisten waren: entsetzt. Mit solchen Leuten haben die Querdenker nichts zu tun, nada (es war ja in der Hacienda Mexicana).

Die Querdenker stehen auf dem Grundgesetz. Die Querdenker wollen, dass es wieder gilt. Uneingeschränkt. Die “Reichsbürger” sind nicht nur kriminell – nein, viel schlimmer: sie sind dumm.

Die Querdenker sind weder das eine, noch das andere.

Querdenker sind friedlich, freiheitlich und demokratisch. Die Monarchie, die der „König von Deutschland“ will, kann keine Staatsform der Querdenker sein.

Von Martin Lejeune

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