Informationsvorsprung für Axel Springer

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, begann seine Karriere in der Medienbranche als Musikkritiker des Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) und wurde zu einem der mächtigsten Verleger diesseits und jenseits des Atlantiks.

Döpfner übernahm von Friede Springer im September 2020 Anteile der Axel Springer SE im Wert von mehr als einer Milliarde Euro als Schenkung und hält 21,9 Prozent der Anteile des Konzerns. Döpfner ist zudem Präsident des einflußreichen Bundesverbandes Digitalpublisher und Zeitungsverleger. Unter Döpfner übernahm die Axel Springer SE das Wirtschaftsportal «Business Insider» und den Informationsdienst «Politico», dessen Erwerb allein rund eine Milliarde Dollar gekostet haben soll.

KKR, Mitgesellschafter der Axel Springer SE aus Manhattan, finanzierte die Übernahme. KKR, die Mutter aller Private-Equity-Firmen, verwaltet Unternehmensbeteiligungen im Wert von 429 Milliarden Dollar. Das Buch «Barbarians at the Gate» über die Übernahme des US-Tabakkonzerns RJR Nabisco zeigt die KKR-Mitgründer Henry Kravis und George Roberts als «ruchlose Kapitalisten der Wall Street».

Das transatlantische Engagement des Springer-Konzerns hat Tradition. Springer hatte laut eigenen Angaben bei der Gründung des Verlags kein Geld. Ohne Geld von außen hätte er seinen rasanten Aufstieg kaum finanzieren können. Gegenüber der Zeitschrift «The Nation» sagten zwei ehemalige CIA-Offiziere, daß Axel Springer sieben Millionen Dollar von der CIA erhalten habe, um mit seinem Verlag US-amerikanische geopolitische Interessen zu unterstützen. Springer habe als Gegenleistung die redaktionelle Ausrichtung auf die Unterstützung der US-Außenpolitik ausgerichtet. Die «Solidarität mit den libertären Werten der Vereinigten Staaten von Amerika» bleibt bis heute eines der Kernprinzipien der Axel Springer SE.

Die Übernahmen von «Business Insider» und «Politico» ermöglichen der Führung der Axel Springer SE die Verknüpfung der Geld- und Politik-Elite in der Welt. Insbesondere «Politico» ist ein Instrumentarium der Meinungsbildung, das konzentrierter nicht sein könnte. Eine Weltsicht verbreiten sowie politisch und finanziell steuern zu können durch die Filterung der Informationen, die weitergegeben werden, ist sehr lukrativ.

Entscheidend ist der Zeitvorteil bei der Erlangung einer Information. Eine Information ist nur wertvoll, wenn man sie vor allen anderen hat. Ein Zeitvorteil macht auch Kapitalmanipulation möglich. KKR hat einen Wettbewerbsvorteil durch Informationsvorsprung, deshalb liegen die Eintrittsgelder für derlei Zukäufe so hoch, daß nur eine kleine Gruppe von Interessenten an diesen Informationsvorsprung kommt.

Autor: Martin Lejeune

Journalist

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