Wie in wichtigen Punkten falsch berichtet wird über Familienmord in Senzig

Devid R., der Mann, der in großem Stil Impfpässe gefälscht hat, erschießt aus Verzweiflung seine drei Töchter und seine Frau, die wegen eines gefälschten Impfzertifikats vor der Entlassung und einem Disziplinarverfahren stand? So ist es in Berichten über den Familienmord in Senzig zu lesen, doch so ist es offenbar nicht. Es gibt keine Fälschungsvorwürfe gegen Devid R. und auch die Entlassung seiner Ehefrau hatte ihre Arbeitgeberin nicht geplant.

Angehörige und Hinterbliebene der Familie R. sowie Nachbarn, Mitschüler und Freunde der Familie R. sind erschüttert darüber, daß unter anderem der rbb falsche Behauptungen über die Familie R. verbreitet.

«Tatverdächtiger Vater soll Impfnachweise im größeren Stil gefälscht haben» lautet die Überschrift des rbb über einem Beitrag vom 8. Dezember 2021 zu den fünf getöteten Mitgliedern der Familie R.

Der rbb behauptet: «Im Fall der getöteten Familie in Königs Wusterhausen soll der tatverdächtige Vater im größeren Stil Impfpässe gefälscht haben. Das erfuhr der rbb aus Ermittlerkreisen.»

Über den Familienvater R. berichtet der rbb: «Er hatte nach rbb-Informationen Impfpässe gefälscht.»

Diese Behauptung enthält keinen Konjunktiv, kein «soll», kein «vermutlich», kein «offenbar». Es wird die Fälschung von Impfpässen als Tatsache verbreitet, nicht als ein Gerücht kenntlich gemacht oder als bloße Vermutung.

Laut übereinstimmenden Angaben der mit dem Fall betrauten Behörden fälschte Devid R. weder Impfpässe, noch Impfzertifikate noch andere Impfnachweise. 

Sowohl die Polizei Brandenburg als auch die Staatsanwaltschaft Cottbus dementieren die Angaben des rbb entschieden. In den bisherigen Ermittlungen sei nichts bekannt geworden, daß darauf hindeute, daß Devid R. einen oder mehrere Impfpässe, Impfzertifiktate oder andere Impfnachweie gefälscht haben soll, sagt Oberstaatsanwalt Bantleon.

Aus dem Brief von Devid R. ergibt sich, daß er ein Impfzertifikat für seine Ehefrau Linda hat fälschen lassen. Das ist bei Lindas Arbeitgeberin als Fälschung erkannt worden. Die Arbeitgeberin wollte dem nachgehen. Deshalb habe Devid R. für sich und seine Ehefrau mit Haft und darüber hinaus mit der Wegnahme der Kinder gerechnet.

In einem weiteren rbb-Beitrag mit dem Titel «Stadt und Kirche in Senzig halten Gedenkfeier für tote Familie ab» vom 9. Dezember 2021 heißt es über Linda R., die an der Technischen Hochschule Wildau gearbeitet hat.

«Nach rbb-Informationen soll ein Disziplinarverfahren oder sogar eine Entlassung im Raum gestanden haben. Die Ehefrau soll in dieser Woche aus diesem Grund einen Termin in der TH gehabt haben.»

Gegen Linda R. stand jedoch weder ein Disziplinarverfahren noch eine Entlassung im Raum. Sie hatte in jener Woche auch keinen Termin in der TH gehabt wegen dem gefälschten Impfzertifikat. Es gab die schriftliche Bitte ihrer Arbeitgeberin um eine Stellungnahme.

Ein Disziplinarverfahren hätte es gegen Linda R. auch nicht geben können, weil Linda R. keine Beamtin war und Disziplinarverfahren nur gegen Beamte möglich sind.

Und in Berichten der «Bild» mit dem Titel «Er tötete ganze Familie» und der «B.Z.» mit dem Titel «Angst vor Konsequenzen wegen gefälschtem Impfzertifikat», beide vom 9. Dezember, heißt es:

«Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon (57) sagte über den Brief von Devid R.: ‹Er schrieb, der Arbeitgeber wollte der Impfpassfälschung mit aller Strenge nachgehen.›»

Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon dementiert, zu «Bild» Online oder «B.Z.» Online «Impfpassfälschung» und «mit aller Strenge» gesagt zu haben.

Auch «Der Tagesspiegel» berichtet:

«Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat R. in seinem Abschiedsbrief behauptet, dass die Hochschule der Impfpassfälschung mit aller Strenge nachgehen werde.»

Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon dementiert auch, «Dem Tagesspiegel» «Impfpassfälschung» und «mit aller Strenge» gesagt zu haben.

Gerade die falsche Behauptung, daß Devid R. im großen Stil Impfpässe gefälscht habe, wirkt sich stark aus auf dessen öffentliche Wahrnehmung aus.

Und die falsche Behauptung, daß gegen Linda R. ein Disziplinarverfahren im Raum stehe, hat Auswirkungen auf deren öffentliche Wahrnehmung.

Die Fehler des rbb gefährden die Glaubwürdigkeit des Senders und schaden dem Ansehen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Wie schade, daß der rbb Falschmeldungen nicht korrigiert, nachdem der Sener darüber informiert wurde, daß seine Berichterstattung nicht zutreffend gewesen sei.

Was noch eine Möglichkeit ist, die nicht völlig ausgeschlossen werden kann: Der rbb ist auf Quellen gestoßen, die Mordkommission und Staatsanwaltschaft nicht haben oder die Mordkommission und Staatsanwaltschaft bestreiten.

Es wäre rein hypothetisch denkbar, daß jemand im Umfeld von Devid R. Teil eines Netzwerks ist, auf das die Ermittlungsbehörden durch die Spurensicherung im Familienmord gestoßen sind und das sie noch ausheben wollen. Dann hilft es den Ermittlungen, wenn sie so tun, als wüssten sie davon nichts. Allerdings könnten in diesem rein hypothetischen Fall die Ermittlungen Schaden nehmen durch die rbb-Berichte über Impfpassfälschungen im großen Stil.

In jedem Falle gilt allerdings die Unschuldsvermutung, die nicht in allen Berichten über die Betoffen gewahrt wurde.

Für diesen Bericht genutzte Quellen:

– Bericht mit dem Titel «Tatverdächtiger Vater soll Imfpnachweise im größeren Stil gefälscht haben» vom 8. Dezember 2021. In: Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), URL: https://archive.md/JgRnD

– Bericht mit dem Titel «Stadt und Kirche in Senzig halten Gedenkfeier für tote Familie ab» vom 9. Dezember 2021. In: Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), URL: https://archive.md/J3EUh

– Bericht mit dem Titel «Wie im Wahn» vom 8. Dezember 2021. In: «Der Tagesspiegel» (Seite 10)

– Bericht mit dem Titel «Er tötete ganze Familie» vom 9. Dezember 2021. In: «Bild» Online, URL: https://archive.md/pV04T

– Bericht mit dem Titel «Angst vor Konsequenzen wegen gefälschtem Impfzertifikat» vom 9. Dezember 2021. In: «B.Z.» Online, URL: https://archive.md/kjtth

Journalist

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