„Der, der überlebt, versorgt die Kinder.“ Für die 196 Todesopfer der Flut kam jede Warnung zu spät

Flutschäden am Gleis in Dernau an der Ahr, eine Ortsgemeinde im Landkreis Ahrweiler im Norden von Rheinland-Pfalz. 

Nur drei von unzähligen Dramen, die sich in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli ereigneten:

In Marienthal starb eine ganze Familie in ihrem Haus, in dem der Wasserpegel rasenschnell um mehrere Meter stieg. Noch heute finden die Helfer Leichen im Raum Marienthal.

Zwei Schwestern flüchten über das Dachfenster ihres im Nu flutenden Hauses auf einen Baum, in dem sie sieben Stunden lang hingen, bis sie gerettet wurden. Die eine Schwester sagte, in der Baumkrone hängend, zur anderen: „Der, der überlebt, versorgt die Kinder.“

Eine Mutter, die vor ihrem unbewohnbaren Haus in Dernau um Fassung ringt, berichtet: „Wir saßen mit unseren Kindern 18 Stunden lang auf dem Dach und es kam keine Hilfe. Unsere Kinder haben sich in der Nacht von uns verabschiedet. Sie haben gesagt, daß sie uns lieben – und wenn sie sterben…“

Während der 18 Stunden sah die Familie vom Dach aus ganze Güterzüge, Gastanks und LKWs vorbei schwimmen. Im Einsatz war auch der Kampfmittelräumdienst, weil verborgene Fliegerbomben aus dem zweiten Weltkrieg frei geschwemmt wurden. Auch war die Feuerwehr im Einsatz wegen austretender Salzsäure und geplatzten Gasleitungen. Die Lage war und ist teilweise noch heute hochgefährlich.

196 Menschen, die bei den Unwettern in Teilen Deutschlands, Belgiens, Luxemburgs und der Niederlande vergangene Woche starben (Stand 19.07.2021 um 19:29), können ihr durch das Hochwasser verursachte Leid nicht mehr erzählen. Für sie kam jede Warnung zu spät.

Dabei hatte das Europäische Hochwasserwarnsystem (EFAS) bereits am 10. Juli die ersten Warnungen an die zuständigen nationalen Behörden geschickt. Bis zum 14. Juli wurden mehr als 25 Warnungen für das Einzugsgebiet von Rhein und Maas durch das EFAS versendet.

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) meldete am 11.07.2021 um 13:51 eine Hochwasserfrühwarnung der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW).

Am 12.07.2021 wurden weitere Warnmeldungen medial verbreitet:

„Die Talsperren sind derzeit zu knapp 96 % gefüllt. Wir haben da noch 4 % Platz, um Regenereignisse zwischenspeichern zu können.“ (Markus Rüdel, Sprecher des Ruhrverbands)

„Wir erwarten eine Wetterlage mit hohem Unwetterpotenzial. Dabei regnet es teils extrem kräftig. Zwischen Dienstagmorgen und Donnerstagmorgen könnten punktuell insgesamt bis zu 200 Liter Regen pro Quadratmeter fallen.“ (David Bötzel, Meteorologe vom Dienst beim Deutschen Wetterdienst)

„Mit lokalen Sturzfluten, Erdrutschen oder Überschwemmungen ist zu rechnen. Erhöhte Unfallgefahr! An einigen Stellen dürften die starken Niederschläge der Kanalisation wieder Probleme bereiten. Für Hausbesitzer könnte sich auch der eine oder andere Sandsack lohnen.“ (Dipl.-Met. Sabine Krüger)

Das Modulare Warnsystem (MoWaS), ein vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe entwickeltes System zur Warnung der Bevölkerung in Deutschland für Zivilschutzlagen, das den Ländern zugleich zur Warnung vor Katastrophen zur Verfügung steht, meldete laut Armin Schuster, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn, zwischen dem 14. und dem 17. Juli „150 Warnmeldungen“ der verschiedenen Kategorien, 16 davon mit der Warnstufe 1 (Lebensgefahr).

Stefan Fries vom Deutschlandfunk sagt, er habe diese 150 Warnmeldungen vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe angefordert, habe sie jedoch nicht erhalten. Es sei vor einer überlaufenden Talsperre gewarnt worden ab 21 Uhr. Aber die höchste Warnstufe (Lebensgefahr) kam erst 0:23 Uhr.

Georg Rose, seit 1997 Chefredakteur von Radio Wuppertal, sagt, er sei schon vor der ersten MoWaS-Warnmeldung über die anstehende Katastrophe informiert worden: „Genau in dem Moment, als die erste Warnmeldung kam, haben wir schon unsere Sondersendung gestartet. Wären wir auf Mowas angewiesen, hätten wir unsere Hörerinnen und Hörer erst eine halbe Stunde später informieren können. Und 30 Minuten sind in einer solchen Gefahrensituation eine lange Zeit.“

Noch eine weitere Warnmöglichkeit wurde versäumt. Eine, welche die Bevölkerung direkt auf ihrem Handy erreicht: Cell Broadcast ist ein Mobilfunkdienst zum Versenden von Nachrichten ähnlich SMS an alle Empfänger innerhalb einer Funkzelle. Dieses Warnsystem besteht bereits seit den 90er Jahren und wurde nicht zum Warnen vor dem Hochwasser genutzt.

Unzählige Schicksale verursachte die Flut. Sie brachte aber auch eine große Schar Helfer ins Katastrophengebiet. Die Schaumburger Zeitung (Online-Ausgabe) vom 18. Juli 2021 berichtet über einen Zugführer der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) aus Rinteln, der in Nordrhein-Westfalen zum Einsatz kam und die Einsätze vor Ort heftig kritisiert: „Wir waren angefordert als Fachzug Wassergefahren. Wir hatten Equipment und Know-how für viele weitere Aufgaben dabei. Wir hatten Pumpleistung für Tausende Liter und vier große Kräne dabei. Damit hätten wir die Räumarbeiten unterstützen können. Doch nach einer stundenlangen Anfahrt über die Autobahn und einer Nacht im Lastwagen auf einem Rastplatz sind wir einfach wieder nach Hause geschickt worden. Großeinsatz ist am Anfang Chaos. Aber was ich noch nie erlebt habe, dass man Einheiten wieder nach Hause schickt.“

Sebastian Schmidt, Ortsbeauftragter des THW-Ortsverein Rinteln, war ebenfalls mit Frühmark im Einsatzgebiet. Die Hilfsbereitschaft von Frühmark war keine Einzelgänger-Aktion.

Der THW-Mann Stefan Frühmark ist entsetzt und meint, dass er die desolaten Hilfsaktionen „nur sehr schwer vermitteln“ könne. Sein Bruder Torsten Frühmark twittert, es gebe Videoberichte auf Youtube von Landwirten, die mit ihren Traktoren tatkräftig unterstützten, während laut einer Twittermeldung in einem konkreten Fall die Behörden den THW weggeschickt hätten.

Der Staat ist offenbar trotz seiner aufwendigen und teuren Katastrophenschutzapparate und weitreichenden Erfahrungen mit Hochwasserlagen nicht fähig, schnell und wirksam überall vor Ort zu helfen.

Im Raume stehen schwere Vorwürfe. Die Vorwarnung der Bevölkerung hatte überwiegend nicht funktioniert. Dass es keine Möglichkeiten dazu gab, kann ausgeschlossen werden, wie das Beispiel der Stadt Wuppertal zeigt. Hier wurden Sirenen eingesetzt, eine Sondersendung im Lokalradio berichtete über die aktuelle Entwicklung und es wurde mit Lautsprecherwagen herumgefahren, um die Bevölkerung zu alarmieren.

Apropos Sirenen. Diese sollen bundesweit am Warntag getestet werden. Der ursprünglich für diesen September geplante bundesweite Warntag fällt aus. Darauf haben sich die Innenminister von Bund und Ländern kürzlich verständigt. Der nächste Warntag soll erst am 8. September 2022 stattfinden. Zur Begründung teilte das Bundesinnenministerium mit, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) baue derzeit eine „umfassende Testlandschaft auf“. Diese werde im ersten Quartal 2022 zur Verfügung stehen.

Es bedarf allerdings nicht nur zentraler Systeme, um in dieser Weise effektiv zu helfen und zu schützen. Vielleicht muss die Frage gestellt werden, ob und wer da bremst. Nach einer Pressemeldungen des THW vom 17. Juli sind in der Region nur 2.500 THW-Helfer im Einsatz.

Angesichts des Ausmaßes des Schadens und der Einordnung als größtes Flutunglück seit der Sturmflut in Hamburg anno 1962 ist schwer nachvollziehbar, dass von den ca. 80.000 THWlern, die zur Hälfte aus Einsatzkräften bestehen (Wikipedia), die übergroße Mehrheit von 37.500 gut ausgebildeten Einsatzkräften zu Hause sitzt und Däumchen dreht.

Zentral und digital wird beim Wetterdienst die Lage ausgewertet. Warnungen wurden ausgegeben, ergebnislos.

Wenn es einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt, den alle Bürger zwangsweise hoch finanzieren müssen, kann von diesem erwartet werden, dass er sich im Gegenzug darum kümmert, die Bevölkerung mit relevanten Informationen zu versorgen, zumal mit lebenswichtigen Informationen.

Nicht so der WDR. Der verpennt das Ereignis, versäumt die Bevölkerung zu alarmieren, aber spuckt große Töne, wenn es darum geht den Klimawandel als Ursache der Katastrophe zu verkaufen.

Es erscheint grotesk, wenn ausgerechnet der aufgeblähte WDR Personalknappheit für seine Fehlleistung mit verantwortlich macht.

Über die sich ankündigende Naturkatastrophe wurde im SWR sogar verharmlosend und ohne konkrete Warn- und Verhaltenshinweise berichtet. So lautete die Wettervorhersage für das Hochwassergebiet am 14. Juli um 17:00 Uhr: „In der Nacht regnet es zunächst noch leicht.“ Wir reden hier von einer Nacht, in der es allein im Sendegebiet des SWR über 100 Todesopfer durch Regen gab!

Auch international war die Gefahr rechtzeitig erkannt worden. Am 17. Juli kursierte das Zitat einer Mitarbeiterin der englischen Universitätsstadt Reading, die bemerkte: „Schon mehrere Tage vorher konnte man sehen, was bevorsteht. Alle notwendigen Warnmeldungen der Wetterdienste sind rausgegangen. Doch irgendwo ist diese Warnkette dann gebrochen, so dass die Meldungen nicht bei den Menschen angekommen sind.“ (Prof. Dr Hannah L. Cloke, University of Reading)

In Reading steht zufällig das europäische Wetterzentrum, dem einer der leistungsstärksten Computer der Welt (Cray XC3) für ihre Wetterberechnungen zur Verfügung steht. Aber was nutzt alle Digitalisierung, wenn die daraus generierten Warnungen nicht ernst genommen werden?

Übrigens hat die EU beim Austritt der Briten aus der EU beschlossen, eine Niederlassung dieses Europäischen Wetterzentrums auf dem Gebiet der verbliebenen EU einzurichten. Als Standort für die neue Einrichtung hatte sich unter anderem Barcelona. Die Wahl fiel jedoch auf die deutsche Stadt Bonn.

Ministerpräsident Laschet verkündet noch am 7. Dezember 2020 auf der Website des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur: „Die Entscheidung des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Wettervorhersage (EZMW) für den Standort Bonn ist eine Entscheidung für Europa, Exzellenz und Vernetzung. Nordrhein-Westfalen bietet dem EZMW und seinen Mitarbeitern hervorragende Arbeits- und Lebensbedingungen im Herzen Europas mit ausgezeichneten Voraussetzungen in den Bereichen Wissenschaft, Forschung und Nachhaltigkeit.“

So gut kann die Vernetzung wohl nicht sein, wenn die Warnungen aus dem eigenen Haus dort verpuffen.

Es ist der gleiche Laschet, der im englischsprachigen Magazin Politico am 15. Juli 2021 versucht, einen Bezug von der hausgemachten Überschwemmungskatastrophe mit Todesopfern zum Klimawandel herzustellen:

«‹Wir werden immer wieder mit solchen Ereignissen konfrontiert, und das bedeutet, wir brauchen mehr Tempo beim Klimaschutz – bundesweit, europaweit, weltweit. Jeder muss jetzt seine Maßnahmen ergreifen, und da brauchen wir mehr Schwung für den Klimaschutz sowie präventive Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel.»

Das Europäische Wetterzentrum in Bonn hat einen ihrer Schwerpunkte in der Erforschung des Klimawandels und ist selbst mit dieser speziellen Expertise nicht in der Lage, die Probleme zu erkennen und vorbeugende Maßnahmen zu initiieren. Dann hat es wohl doch weniger mit dem Klima zu tun als mit einem ganzen Strauß von externen Faktoren, von denen das mangelhafte Meldewesen und überfordertes örtliches Krisen-Management nur einen Ausschnitt darstellen. Bekannt ist, dass eine dichte Bebauung ehemaliger Auen, die Begradigung von Flüssen und die Versiegelung großer Flächen dazu beitragen, dass es nicht nur zu dieser Katastrophe kommen konnte, sondern dass sie vorhersehbar war.

Am Ende bleibt stehen, dass diese Katastrophe hausgemacht ist und die Versuche, einen Zusammenhang zu Klimagefahren zu konstruieren, ein durchsichtiges Wahlkampfmanöver ist. Längst ist unter Wissenschaftlern bekannt, dass die verfügbaren Wetterdaten der letzten Jahre belegen, dass die Regenmenge in unseren Sommern nicht zugenommen hat (Quelle: Deutscher Wetterdienst) und es keine Zunahme von Extremwetterereignissen gibt.

  • „So dokumentierte ein Team der National University in Canberra, dass die globalen Niederschläge in den letzten 70 Jahren trotz globaler Erwärmung sogar weniger extrem geworden sind, und dies sowohl in zeitlicher als auch in räumlicher Hinsicht. Eher gibt es eine Tendenz zu ausgeglicheneren Verhältnissen: Trockene Gebiete wurden feuchter, und feuchte Gebiete wurden trockener. Eine Temperaturabhängigkeit der Niederschlagsvariabilität war nicht festzustellen.“
  • „Zu einem ähnlichen Schluss kam 2021 auch eine Forschergruppe um Louise Slater von der University of Oxford. Sie hat über 10.000 verschiedene Flußpegel-Aufzeichnungen aus der ganzen Welt ausgewertet und für die letzten 50 Jahre auf Trends hin untersucht. Die Wissenschaftler stießen dabei auf signifikante Veränderungen, die sich je nach Klimazone und betrachtetem Zeitmaßstab jedoch voneinander unterschieden. Im globalen Maßstab hat die Stärke der Überflutungen insgesamt abgenommen. Die sogenannten Jahrhundert-Hochwässer sind in den trockenen und gemäßigten Klimazonen der Erde zurückgegangen. Das sind jene Hochwasser-Ereignisse, die statistisch gesehen alle 100 Jahre auftreten. In den kalten Regionen der Erde zeigten sich bei den Jahrhundert-Hochwässern durchmischte Trends.“
  • «Das Umweltbundesamt berichtete in seinem Monitoringbericht zur deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel 2019, dass keine Hochwassertrends feststellbar seien: ‹Die Zeitreihe zum [deutschen] Hochwassergeschehen ist durch einzelne wiederkehrende Hochwasserereignisse sowohl im Winter- als auch im Sommerhalbjahr geprägt. Signifikante Trends lassen sich nicht feststellen.›»

Dipl.-Met. Marcus Beyer, Deutscher Wetterdienst, stellt die entscheidende Frage: „Warum sind so viele Menschen gestorben? Warnungen wurden Tage im Voraus ausgegeben. Das Ausmaß der Niederschläge wurde von den Modellen in den kommenden Tagen gut erfasst. Erste Vorwarnungen wurden drei Tage im Voraus ausgegeben. Zwei Tage im Voraus wurde über MOWAS gewarnt. Trotz der langen Vorlaufzeit konnten so viele Menschen nicht mehr geschützt werden und mussten sterben.“

Im Gedenken an die Opfer der verheerenden Überschwemmungen beging Belgien am 20. Juli einen Tag der nationalen Trauer. Von 12.01 Uhr bis 12.02 Uhr wurde im ganzen Land eine Schweigeminute abgehalten. Regierungschef Alexander De Croo erklärte, der Staatstrauertag werde ein Moment sein, um sich zu sammeln angesichts der zahlreichen Todesopfer. Er biete aber auch die Möglichkeit, die „vielen Solidaritätsbekundungen und das von den Belgiern empfundene Zusammengehörigkeitsgefühl zu würdigen“.

Weshalb gedenkt Deutschland der 192 Flutopfer nicht mit einer landesweiten Schweigeminute? Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft rechnet mit Hochwasserschäden bis zu fünf Milliarden Euro allein in den in Deutschland betroffenen Gebieten. Die 200 Millionen Euro Hochwasser-Hilfe des Bundes sind da nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Die Pressestelle des THW teilt mit: „Zur Einordnung hinsichtlich der von Ihnen bemängelten Anzahl an Einsatzkräften ist grundsätzlich anzumerken, dass das THW über ein sehr breites Angebot an technischem Gerät für unterschiedlichste Schadenslagen verfügt. Zu deren sachgerechter Handhabung sind Expertinnen und Experten entsprechend ausgebildet, d.h. nicht jeder/jede kann alles bedienen. Von unseren rund 80.000 THW-Ehrenamtlichen ist bundesweit nur ein Teil beispielsweise in den Fachgruppen Bergen und Räumen organisiert. Weitere Informationen dazu finden sie hier: https://www.thw.de/SharedDocs/Standardartikel/DE/THW/Bundesanstalt/Aufgaben/Einsatzoptionen/einsatzoptionen_neu.html?searchString=einsatzoptionen

Und da es sich ausschließlich um ehrenamtliche Einsatzkräfte handelt, ist auch nicht jeder und jede immer einsatzbereit. 

Im Fall einer Schadenslage diesen Ausmaßes sind unterschiedliche Institutionen und Organisationen involviert. Jeder Einsatz muss dabei individuell koordiniert werden, dabei wird auch entschieden wie viele Einsatzkräfte und welche Einheiten vor Ort helfen können. Schließlich wäre es nicht zielführend, wahllos Helfende ohne zielgerichteten Auftrag in das Katastrophengebiet zu senden. 

Das Technische Hilfswerk ist dank einer guten, fachlichen Ausbildung der Einsatzkräfte und dank stetiger Investitionen in moderne Ausstattung gut auf alle möglichen Szenarien im Bereich Bevölkerungsschutz vorbereitet. Aufgrund unserer bundesweit einheitlich aufgebauten Einheiten können wir somit problemlos auch überregional zusammenarbeiten und Einsatzkräfte mit der entsprechenden Ausstattung bundesweit zusammenziehen. Diese THW-Strukturen haben sich bewährt. 

Solange die Schadenlage nicht vollständig erkundet ist, werden auch Kräfte aktiviert, die im Zweifelsfall nicht direkt zum Einsatz kommen können, da sich vor Ort rausstellt, dass die Zuwegung zu einer Einsatzstelle erst ertüchtigt werden muss.  Einige THW-Einheiten aus ganz Deutschland wurden vorsorglich angefordert, um schnell vor Ort Hilfe leisten zu können. Dabei legen diese einen längeren Anfahrtsweg zurück, um im Bedarfsfall schnell Hilfe leisten zu können. Diese Kräfte werden nun  vorsorglich in Bereitstellungsräume zusammengezogen. Von dort erfolgt der Abruf der Einheiten durch die örtlichen Einsatzleitungen über die Technische Einsatzleitung des Kreises mittels eines konkreten Einsatzauftrages. So wird sichergestellt, dass die richtigen Einheiten an der richtigen Einsatzstelle gelangen, an der sie auch wirklich benötigt werden. Wenn eine vorsorglich in den Einsatz geschickte Einheit, nicht vor Ort angefordert wurde, ist dies im Zusammenhang mit dem Bedarf vor Ort zu sehen. Diese Entscheidung ist abhängig von der sich stetig ändernden Lage, die ständig angepasst wird. Deshalb bleibt es nicht aus, das vorsorglich angeforderte Einheiten nicht in den Einsatz kommen, da diese Fähigkeiten vor Ort nicht konkret benötigt werden. Gerade zu Beginn des Einsatzes lag die Priorität auf der Rettung von Menschen. 

Insofern ist das THW, wie auch andere Organisationseinheiten des Zivil- und Katastrophenschutzes aktuell in Sachen Unwetter/Überschwemmungen an verschiedenen Einsatzstellen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Bayern und in Sachsen derzeit im Einsatz. Dabei kommen THW-Einheiten aus allen acht THW-Landesverbänden aktuell zum Einsatz.

Und bitte vergessen Sie nicht, dass wir daneben bundesweit auch andere Schadenslagen mit haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräften zu bewältigen haben.“

Über Hochwasserlagen informieren öffentlich:

3 Gedanken zu „„Der, der überlebt, versorgt die Kinder.“ Für die 196 Todesopfer der Flut kam jede Warnung zu spät

  1. Es ist sehr herzzerreißend und frage mich, wo hört es auf.
    Wir wissen doch, die Mehrheit wissen es, dass die Naturkatastrophen künstlich verursacht wurden. In Gedanken bin ich den Opfern sehr nah. Für die, die es nicht geschafft lege ich eine Gedenminute ein. Ich bete um Gerechtigkeit und bete auch für die Vernichtung, des teuflischen Handwerks. Wir wissen, dass das noch lange kein Ende hat, wir wissen, dass es noch schlimmer wird. Ich lebe in Dresden und habe kein Fahrzeug, bin noch berufstätig. Wie kann ich helfen ? Ich trage die Kleidung 34, Schuhe 37, Hosen die Größe 25. Ich möchte, wenn ich helfen kann, dass die Sachen auch ankommen. Ich werde mich Umfragen, wer noch Kleidung spenden kann.
    Ich bin froh, zu wissen, dass es solche Leute, wie Euch gibt.
    Danke für Eure herzergreifende Arbeit
    Danke

  2. Pingback: "Der, der überlebt, versorgt die Kinder." Für die 196 Todesopfer der Flut kam jede Warnung zu spät – Martin Lejeune – Wertewandel

  3. Vor zwanzig Jahren füllten Flutberichte die Fernsehnachrichten für WOCHEN.
    Dabei starben nicht so vielen Menschen, es wurde gewarnt und gejammert und geklagt, die Regierung möge höhere Deiche bauen. Rettungsdienste aller Arten waren vor Ort und der Tenor war: ‚Helfen, wo man Helfen kann.‘ Man machte die Politik verantwortlich für Überschwemmungen in Überschwemmungsgebieten, eigentlich eine Fars, denn Schwemmland sollte kein Bauland sein, es sei denn, man macht es wie in den Niederlanden, nämlich professionell.
    Das Ahrtal war kein reines Schwemmland. Alle Schwemmlandbereiche wurden überbaut, aber nicht nur diese wurden hier geflutet, die Flut war ein Tsunami- eine Welle. Wenn die Talsperren vollaufen, dann muß zwingend evakuiert werden. Vermutlich war niemand da, um ans Telefon zu gehen oder ins Internet, um diese Anordnung zu erteilen. Eventuell waren die zuständigen Politker einfach nicht online. Deutschland ist im technischen Mittelalter, behauptet aber das Gegenteil. Eine Neuordnung mithilfe des neuzuordnenen Militärs, unter Mithilfe des Katastrophenschutzes ist erforderlich. Dies ist das Zeitalter von Aquarius und es kommt nicht trockenen Fußes angerannt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.