Versagte SWR als vierte Gewalt nach der Flutkatastrophe?

Michael Lang, Korrespondent im SWR-Regionalbüro Bad Neuenahr-Ahrweiler, sagte dem NDR-Medienmagazin Zapp über seine Interviews mit Flutopfern:

„Gerade in den ersten Wochen war das so, daß wir mindestens 50 Prozent der O-Töne nicht genommen haben, um die Menschen zu schützen. Man muss den Menschen zugestehen, daß sie schimpfen in ihrer Situation, daß sie weinen, daß sie nicht verstehen.“ Diese Aufnahmen seien „aber noch nicht der Beginn des Interviews“, das ausgestrahlt werde.

O-Töne (Original-Töne) sind Aussagen von Interview-Partnern, die für die Veröffentlichung zur Verfügung stehen.

Weshalb hat der SWR das Leid der Flutopfer nicht so dargestellt, wie es der Sender aufgenommen hat? Weshalb wurden die O-Töne, so wie sie von den Betroffenen ins Mikrofon des SWR gesprochen wurden, nicht gesendet? Weshalb hat der Rundfunk den Hörern und Zuschauern das wahre Ausmaß der Verzweiflung der Opfer nicht dokumentiert? Sollten mit diesem Herausschneiden von O-Tönen Politiker geschützt werden, die für unzureichende Warnungen vor der Katastrophe und für fehlende Hilfe nach der Flut verantwortlich zeichen?

Gab es in den O-Tönen, die in den Giftschrank des SWR kamen, Informationen, welche die Bevölkerung in ihrem Vertrauen in die Regierung erschüttern könnten?

„Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière einst über die Nicht-Information der Bevölkerung durch die Regierung.

Im Falle des SWR geht es um ein Medium, das der Regierung als vierte Gewalt im Staate genau auf die Finger schauen sollte. Eine Schere im Kopf wie beim Nichtsenden von O-Tönen aus dem SWR-Regionalbüro Bad Neuenahr-Ahrweiler verletzt die Verantwortung, die der Sender als vierte Gewalt hat.

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