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Demonstranten als Gefährder: «17.000» – eine Zahl wird zur Staatsräson

Polizisten widersprechen Polizeiführung

Die Debatte um die Zahl der Teilnehmer des Aufzugs «Versammlung der Freiheit» ist nicht nur eine «Schlammschlacht» um «Fake News», sondern hat einen ernsten Hintergrund: es geht um die Frage, ob Politiker der im Bundestag vertretenen Parteien mit Ausnahme der «Alternative für Deutschland» («AfD») und ob etablierte Massenmedien mit Ausnahme der «Jungen Freiheit» die Belange der Demonstranten gegen den Lockdown ernst nehmen?

Das Ernstnehmen des Anliegens der Demonstranten beginnt mit der Wahrnehmung der Zahl der Teilnehmer des Aufzugs «Versammlung der Freiheit» am 1. August in Berlin.

Der Polizeisprecher Thilo Cablitz sagte mir in Übereinstimmung mit den Angaben der Polizeimeldung Nr. 1805/20, es seien «17.000» Teilnehmer gewesen.

Der Versammlungsleiter des Aufzugs «Versammlung der Freiheit», Nils Wehner, sagte heute dem YouTube-Kanal «Nuoviso»: «Mein Truppenführer von der Polizei (der Führer der Hundertschaft, der direkten Kontakt mit den obersten Stellen hatte) hat, nachdem wir ungefähr 2/3 der 7,8 km (langen Strecke) hinter uns hatten, gesagt, anhand des Luftbildes, haben wir die Teilnehmerzahl auf 800.000 geschätzt. Ich zeigte ihm den Pressebericht mit 17.000. Da haben wir beide herzlich gelacht.» Der leitende Polizist habe demnach über die Angaben des Polizeisprechers und über die offiziellen Verlautbarungen der Polizeiführung «herzlich gelacht».

Der Busfahrer Thomas Kaden bestätigt die Angabe des Führers der Einsatzhundertschaft (EHU) der Bereitschaftspolizei Berlin. Kaden sagte mir heute im persönlichen Gespräch, das ein Polizist ihm am 1. August verbindlich gesagt habe, die Polizei Berlin gehe von 800.000 Demonstranten aus, die bei der «Versammlung der Freiheit» teilgenommen haben.

Kaden engagierte sich für den Buskonvoi, der dem Aufzug folgen sollte. Der Buskonvoi fuhr aber gar nicht erst los. Grund war die schiere Masse der Menschen, mit denen weder der Versammlungsleiter Nils Wehner noch der Aktivist des Buskonvois Thomas Kaden gerechnet hatten.

Wehner sagt, es seien 14 LKWs bei dem Aufzug mitgefahren. Zwischen dem ersten und dem zweiten LKW habe der Abstand zeitweise über drei Kilometer betragen. Statt wie geplant um 11:00 Uhr sei der erste LKW erst um 11:40 Uhr auf dem Prachtboulevard Unter den Linden losgefahren. Grund sei der nur schwer zu lenkende Strom an Menschenmassen gewesen.

Die Gesamtstrecke des 7,8 km langen Aufzugs reichte nicht für die Zahl der Teilnehmer aus. Als die Spitze des Aufzugs am Ziel, dem Brandenburger Tor eintraf, waren die ersten Teilnehmer noch nicht losmarschiert am Start, ebendort am Brandenburger Tor. Die Demonstratenschlange hat sich selber mit dem Kopf in den Schwanz gebissen. Die Spitze erreichte den Anfang. Das habe ich persönlich beobachtet.

Wie bin ich auf die Zahl von 100.000 gekommen? Das habe ich in meinem ersten Ad hoc-Versammlungsbericht vom 1. August dargelegt:

Ich hatte an der Leipziger Straße, etwa auf den letzten 2/3 der 7,8 km langen Strecke gezählt. Da hatten allerdings, wie spätere Recherchen ergeben haben, schon wieder Teilnehmer den Aufzug verlassen aufgrund von Schwächeanfällen und Ermüdungserscheinungen. Es hatte über 30° Grad und der Himmel war wolkenlos und unbedeckt. Die Sonne schien unerträglich heiß.

Es gibt nun neben Corona-Leugnern und Klima-Leugnern auch die «17.000»-Leugner, denen «Fake News» vorgeworfen werden, weil sie die offiziellen Verlautbarungen der Polizeiführung in Frage stellen. Das sehen gewiße Teile der Polizeiführung nicht gern und ärgern sich, daß es Journalisten gibt, die nicht jedes Wort des Polizeisprechers einfach so schlucken.

Wie gesagt, es geht nicht um den Unterschied zwischen «17.000» und 18.000, sondern um den unversöhnlichen Gegensatz in den Angaben von Polizisten zwischen «17.000» und «800.000».

Wenn nun das Staatsoberhaupt und Verfassungsorgan Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einer Ansprache an das deutsche Volk, die er für gewöhnlich nur an Weihnachten hält, über die Menschen bei dem Protest sagt, sie seien «ein Risiko für uns alle!», sie würden gewißermaßen die nationale Sicherheit gefährden, seien also Gefährder. Was kommt dann als nächstes? Werden friedliche Demonstranten demnächst als Terroristen gebrandmarkt?

Die Zahl «17.000» wird von Polizeiführung und vom Bundespräsidenten zur Staatsräson erkoren, um die «Sicherheit Deutschlands» nicht zu gefährden durch die Demonstranten als «Risiko für uns alle!».

Wer die «17.000» anzweifelt, ist Staatsfeind Nr. 1. Daher sind die Polizisten, die sich nicht an die von der Polizeiführung diktierte Sprachregelung gehalten haben, gefährdet, degradiert zu werden und ihren Dienstrang zu verlieren. Daher soll hier auf die Nennung der Namen der Polizisten, die gegenüber Thomas Kaden und Nils Wehner von «800.000» Teilnehmern des Aufzugs gesprochen haben, verzichtet werden.

Von Martin Lejeune

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