Abschiedsbrief von Dr. Lisa-Maria Kellermayr: «Ich verwünsche die Landespolizeidirektion Oberösterreich!»

Die engagierte Corona-Ärztin Dr. Lisa-Maria Kellermayr, die sich einen Panikraum «aus Angst vor Impfgegner-Attacken» gebaut hat, nahm sich in der Nacht vom 28. auf den 29. Juli 2022 das Leben. «Die Polizei fand sie in ihrem Panikraum erhängt», schreibt Florian Klenk im «Falter». Die «Kronen Zeitung» ergänzt, daß Dr. Kellermayr bereits vor zwei Wochen einen Selbstmordversucht «durch eine Infusion» unternahm, «aber gerettet wurde».

Drei Abschiedsbriefe hinterließ Dr. Kellermayr. Die «Kronen Zeitung» berichtet: «Drei Seiten ist das – so wie die anderen beiden Abschiedsbriefe am Computer getippte – Schreiben an die Landespolizeidirektion Oberösterreich lang. Der letzte Weg der tot in ihrer geschlossenen Praxis gefundenen Impf-Ärztin war also gründlich geplant. Schon der Anfang ist Gänsehaut: ‹Kein Stress, Sie werden mich wohl nicht mehr lebend finden. Es ist 02:30. Ich habe mich in den Panikraum (Anm. d. Redaktion beim Praxisumbau um 100.000 EUR aus Angst vor Impfgegner-Attacken eingerichtet) zurückgezogen und werde mich umbringen. Ich kann nicht mehr›.

Weiters prangert die mit Morddrohungen von Corona-Leugnern konfrontierte Medizinerin und Verfechterin der Covid-Impfung an, ‹daß sehr viel geredet wurde, aber keiner etwas getan hat. Ich verwünsche die Landespolizeidirektion Oberösterreich!›

Auch der Brief an die Ärztekammer liest sich wie die Anklage einer Toten. Es habe keine Hilfe gegeben, sie fühle sich im Stich gelassen.»

Ein Tweet eskaliert

Die Wut, die Dr. Kellermayr gegen die Landespolizeidirektion Oberösterreich hegte, verursachte ein Tweet.

Die Landespolizeidirektion Oberösterreich antwortete wohl seinerzeit unter anderem auch direkt auf Dr. Kellermayrs Falschmeldung über eine Versammlung der Impfskeptiker vor einem Hospital: «Zu den Falschmeldungen bzgl. Demo in Wels: rund 600 Teilnehmer hielten vor dem Krankenhaus eine Versammlung ab«, die Demo sei per Verordnung erlaubt, teilte die Polizei mit. «Es kam weder zu Behinderungen von Rettungskräften noch zu sonstigen Straftaten (…)».

Das Rote Kreuz bestätigt später, daß es noch eine zweite Rettungsausfahrt im Klinikum gibt, die frei zugänglich gewesen sei. Kellermayr fühlte sich wohl von der Polizei zu Unrecht als Lügnerin hingestellt. «Das Wort ‹blockieren› war juristisch nicht richtig», aber daß hier Demonstranten zumindest den Zugang zum Haupteingang und zu eine Rettungsausfahrt gestört haben, sei dokumentiert, sagte Dr. Kellermayr «DER ZEIT».

Aus der Pressestelle der Landespolizeidirektion heißt es wiederum, ihre Stellungnahme habe sich gar nicht direkt auf den Tweet von Kellermayr bezogen, «sondern auf die Falschmeldungen, die zu dieser Versammlung verbreitet wurden».

Mehrfach bedroht

Dr. Kellermayr war nach eigenen Angaben monatelang massiv von Corona-Impfgegnern unter Druck gesetzt und bedroht worden. 

Österreich in tiefer Trauer vereint

Tausende Menschen gingen am Montagabend in mehreren österreichischen Städten auf die Straße, um Dr. Kellermayr zu gedenken. Als Zeichen für Zusammenhalt wurde etwa am Wiener Stephansplatz ein Lichtermeer entzündet. Heute wird Dr. Kellermayr unter anderem in Salzburg gedacht.

Ausschnitt aus einem der Abschiedsbriefe an Dr. Kellermayr
Einige der Termine des Gedenkens für Dr. Kellermayr

Dr. Thomas Walach zeigt Beamte der Landespolizeidirektion Oberösterreich an

Journalist

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